Wohnungsnot : Moslems sind als Mieter nicht erwünscht

Seit gut zwei Monaten in Kiel: Der Syrer Ahmad Hasan sucht dringend eine Wohnung.
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Seit gut zwei Monaten in Kiel: Der Syrer Ahmad Hasan sucht dringend eine Wohnung.

Studenten haben es nicht einfach, in Kiel eine geeignete Bude zu finden. Vor allem Bewerber mit ausländischen Wurzeln verzweifeln. Oft legen Vermieter den Telefonhörer auf, sobald sie fremde Stimmen hören.

shz.de von
30. März 2017, 18:11 Uhr

„WG-Mitbewohner gesucht“ – Ahmad Hasan kennt solche Anzeigen, die in Supermärkten und an Laternenmasten hängen, zur Genüge. Unzählige Anbieter hat er bereits kontaktiert. Dass seine Anfragen bis jetzt entweder abgelehnt oder nicht beantwortet wurden, frustriert den jungen Syrer. Auch der Weg über Immobilienportale im Internet führte ihn bisher nicht ins Ziel.

Vor zwei Jahren floh Hasan mit seiner Familie vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland, er lebte bis vor kurzem in Osnabrück. Im Dezember zog er nach Kiel, um am Studienkolleg der Fachhochschule sein Abitur nachzuholen. Auf engem Raum wohnt er seitdem bei einem Freund: „Ich kann da nicht lange bleiben. Ohne Mietvertrag kriege ich auch kein Bafög“, sagt Hasan.

In der gleichen Situation befinden sich viele andere junge Flüchtlinge und vor allem Studenten aus dem arabischen Raum. Oft stranden sie bei Alexandra Dreibach, die das ungewöhnliche Projekt „Wohnen für Hilfe“ beim Studentenwerk Schleswig-Holstein leitet. Am Anfang eines Wintersemesters fragen dort 100 bis 150 wohnungssuchende Studenten an. Trotz der Flüchtlingskrise sei diese Zahl im vergangenen Jahr konstant geblieben.

Alexandra Dreibach gibt ihnen nicht nur allgemeine Beratung, sondern versucht auch, Flüchtlinge und internationale Studenten in ihr Projekt zu integrieren. Der Grundsatz: Ältere Menschen bieten Wohnraum an im „Tausch“ gegen Hilfe im Alltag. Dafür wirbt jetzt auch ein Gelenkbus der KVG. „Biete Zimmer – Suche Hilfe!“ – unter diesem Motto fährt die rollende Werbung durch die Stadt. Doch es gibt „Vorbehalte gegenüber männlichen Studierenden aus fremden Kulturen“, hat Alexandra Dreibach beobachtet. „Manche sagen sogar, sie wollen keine Flüchtlinge oder Moslems.“

Hin und wieder hört sie von ausländischen Studenten sogar, dass Vermieter einfach auflegen, sobald sie einen fremden Akzent vernommen haben. Wenn man Sadra Masalli auf solche Erlebnisse seiner Leidensgenossen anspricht, grinst der junge Iraner, den es im September aus der Nähe von Teheran zum Studieren nach Kiel verschlagen hat. Ihm erging es auf seiner Suche ähnlich: „Als ich schrieb, dass ich aus dem Iran komme, wurde mir deshalb wohl nicht geantwortet“, erinnert sich Sadra. Im Februar bekam er endlich einen Wohnheimplatz. Zuvor wohnte er zur Zwischenmiete, kontaktierte unzählige Vermieter und besichtigte eine Hand voll Wohnungen. Eine Zusage bekam er jedoch nicht.

Sadra will, sobald er seinen Sprachkurs beim prachlektorat der CAU bestanden hat, Stadt- und Regionalentwicklung studieren. Er möchte in Kiel bleiben und hat die Promotion im Blick: „Vielleicht werde ich mal Dozent“, sagt der freundliche Iraner und lächelt – trotz der frustrierenden Wohnungssuche.

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