RBZ Wirtschaft : Moslems kontra Juden?

Plädoyer für respektvollen Umgang: David Ranan (r.) warb im RBZ Wirtschaft für Toleranz.  carstens
Plädoyer für respektvollen Umgang: David Ranan (r.) warb im RBZ Wirtschaft für Toleranz. carstens

Über Toleranz im Allgemeinen und den Nahost-Konflikt im Besonderen diskutierte der Autor David Ranan mit den Schülern des RBZ Wirtschaft. Ergebnis: Es ist schon viel gewonnen, wenn man die Argumente der Gegenseite würdigt.

shz.de von
07. Februar 2019, 18:26 Uhr



Was passiert, wenn ein alter Jude auf engagierte junge Moslems trifft? Noch dazu, wenn dieser Israeli ein Buch geschrieben hat, das sich mit muslimisch geprägtem Antisemitismus befasst? Antwort: Es wird debattiert und gestritten – aber stets mit Toleranz und Respekt vor dem Gegenüber. So wurde der Auftritt von David Ranan im Regionalen Bildungszentrum (RBZ) Wirtschaft zur demokratischen Lehr- und Lernstunde.

Einer der RBZ-Schüler mit arabischen Wurzeln brachte es gleich auf den Punkt: „Vor zwei Jahren habe ich noch alle Juden gehasst.“ Heute, mit wachsendem Wissen, sieht er den politischen Konflikt im Nahen Osten, das Verhältnis zwischen Juden und Palästinensern vielschichtiger. Ein anderer Zuhörer, Spross einer syrischen Familie, gibt zu Bedenken: „Ich kann Juden nicht hassen. Fromme Juden halten sich an ihre Religion und gründen keinen Staat.“

Davis Ranan entstammt einer deutsch-jüdischen Familie, die vor den Nazis floh. Sein Vater hieß Rosenzweig. David Ranan, Jahrgang 1946 und in Israel aufgewachsen, lebt heute als Wissenschaftler und Autor in Berlin und London. Für sein jüngstes Buch hat er 70 Interviews mit jungen Muslimen geführt.

Aktueller Anlass war für ihn die wachsende Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland (jährlich sind es etwa 1500, wie Christian Meyer-Heidemann als Landesbeauftragter für politische Bildung sagte). Die allermeisten gehen zwar auf das Konto von Rechtsradikalen, aber es werden eben auch Angriffe von Muslimen verzeichnet. Ranan jedenfalls beschreibt die gegenwärtige Stimmung in den jüdischen Gemeinden: „Es herrscht Panik.“

Dem 72-jährigen David Ranan geht es um den Abbau von Vorurteilen und um Verständnis für die Position der jeweils anderen Seite. Das aber sei nur möglich mit Aufgeschlossenheit und mit Bildung. Gerade weil sich auch die Konflikte hierzulande meist um den ungelösten, blutigen, emotional stark aufgeladenen Nahost-Konflikt drehen, empfiehlt Ranan die Behandlung im Unterricht: „Das muss ein Modul an den Schulen werden.“ Es war allen Beteiligten klar, dass man das Grundproblem nicht in einer 90-minütigen Doppelstunde am RBZ aus der Welt schaffen kann. Denn es gibt nicht nur eine einzige Wahrheit, es existieren verschiedene Sichtweisen – die für Ranan alle ihre ganz persönliche Berechtigung haben. Ein RBZ-Schüler drückte das Tolerenzgebot auf eigene krasse Weise aus: „Wenn man ein Rassist ist, ist man ein Idiot. Fertig.“

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