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Leiche am Nord-Ostsee-Kanal : Mord an Kieler Rentner: Angeklagter muss lebenslang in Haft

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Das Kieler Schwurgericht ist sich sicher: Ein 46-Jähriger hat im Oktober 2013 einen 82-jährigen Rentner aus Suchsdorf umgebracht. Es war Habgier.

Kiel | Für den Mord an einem 82-jährigen Rentner aus Kiel-Suchsdorf muss ein 46 Jahre alter Mann lebenslang in Haft. Das Kieler Schwurgericht verurteilte den Mann am Montag wegen Mordes, Raubes mit Todesfolge und Computerbetrugs. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der arbeitslose Mann den Rentner am 4. Oktober 2013 tötete, um an dessen Portemonnaie und EC-Karten zu gelangen. Mit dem Urteil folgte die Kammer dem Strafantrag des Staatsanwaltes. Die Verteidigung hatte eine milde Strafe wegen Computerbetrugs gefordert.

Zweifel an der Täterschaft hatten die Richter nach der Beweisaufnahme nicht, wie der Vorsitzende Richter Jörg Brommann sagte. Das Tatmotiv demnach: „Dem Angeklagten stand das Wasser bis zum Hals. Er war in auswegloser finanzieller Lage.“ Deshalb suchte er den vermögenden gehbehinderten Rentner in dessen Wohnung auf und „fasste spätestens nach Betreten des Hauses den Entschluss, ihn zu töten“, sagte der Richter.

Der 82-Jährige wurde 2013 wochenlang vermisst, ehe ein Spaziergänger seine Leiche am Nord-Ostsee-Kanal fand. Zum letzten Mal wurde der gehbehinderte, verwitwete Rentner am 4. Oktober 2013 gesehen, als ihm sein Mittagessen geliefert wurde. Nachdem sein Verschwinden bemerkt worden war, startet die Polizei eine großangelegte Suchaktion. Außerdem nahm die Mordkommission die Ermittlungen auf, denn: Nach dem Verschwinden des Rentners wurden mit seiner EC-Karte 3000 Euro in Kiel, in Bayern und Sachsen-Anhalt abgehoben. Überwachungskameras zeigten dabei einen mit Handschuhen und Motorradhelm vermummten Mann.  Da der Rentner nach einer Operation schlecht gehen konnte war es unwahrscheinlich, dass dies der Vermisste war.

Unterdessen blieb die Suchaktion ohne Erfolg. Die Polizei und 20 Beamte der Mordkommission sowie Polizeitaucher und ein Hubschrauber hatten vergeblich in der Nähe des Wohnortes und am Nord-Ostsee-Kanal gesucht. Erst 18 Tage nach dem Verschwinden entdeckte ein „Geo-Cacher“ die Leiche zufällig an einer Böschung nördlich der Alten Levensauer Hochbrücke am Kanal.

Bereits früh war ein 46-Jähriger Bekannter des Opfers in den Fokus der Ermittlungen geraten. Die Frau des Angeklagten arbeitete als Haushaltshilfe für den Rentner. Zunächst war das Ehepaar verhaftet worden, die Frau allerdings bald wieder frei gelassen. Der Tatverdacht gegen ihren Mann jedoch erhärtete sich. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den 46-Jährigen. Dieser schwieg zu den Vorwürfen – bis zum ersten Verhandlungstag im August: „Ich weise entschieden den mir vorgeworfenen Mord und den Mordvorsatz zurück“, verlas der Angeklagte aus seiner vorbereiteten Erklärung unter Tränen. Bei einem Besuch des Rentners sei dieser plötzlich leblos zusammengebrochen.

Um „wegen meiner kriminellen Vergangenheit nicht mit seinem Tod in Verbindung gebracht zu werden“, sei er zunächst geflüchtet, dann aber zurückgekehrt. Der 46-Jährige soll wegen Hehlerei und Diebstahl bereits im Gefängnis gewesen sein.

Der Angeklagte gab zu, Schlüssel, Geldbörse sowie und EC-Karte samt PIN-Nummern mitgenommen zu haben. Auch das Abheben der 3000 Euro gestand er. Außerdem sagte er aus, die Wohnung gereinigt und die Leiche wenige Kilometer entfernt am Nord-Ostsee-Kanal im Unterholz abgelegt zu haben. Der 46-Jährige habe damit Spuren verwischen und den Verdacht auf einen unbekannten Täter lenken wollen.

Die Staatsanwaltschaft bewertete den Fall ganz anders: Der 46-jährige Angeklagte habe sein Opfer bei einem Besuch in dessen Wohnung aus Habgier und zur Verdeckung einer Straftat getötet, sagte der Ankläger vor dem Kieler Schwurgericht. „Am Tötungsvorsatz gibt es keinen Zweifel“, sagte der Staatsanwalt. Rechtsmediziner gehen nicht von einem natürlichen Tod, sondern von Gewalteinwirkung auf den Hals als Todesursache aus.

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erstellt am 27.10.2014 | 15:00 Uhr

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