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Kiel-Suchsdorf : Mörder-Raten in der Predigt

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Beim Bibelkrimi in Kiel-Suchsdorf müssen Kirchgänger auf den Mörder kommen. Und bei einer falscher Antwort gibt es einen Strich beim Galgenmännchen.

Kiel | "Eine Frau liegt tot auf der Straße", mehr verriet Pastor Michael Hinzmann-Schwan seiner Gemeinde über die Bibelgeschichte nicht. Wer die Frau ist und vor allem wie sie umgekommen ist, mussten die rund 55 Gläubigen in der Matthias-Claudius-Kirche in Kiel-Suchsdorf beim Gottesdienst erraten. Hinzmann-Schwan antwortete nur mit Ja oder Nein und für jedes Nein bekam die Zeichnung des Galgenmännchens einen Strich mehr. "Spielt die Geschichte im Alten Testament?", wollte ein Gemeindemitglied wissen. "Ja", antwortete der Pastor. "In Jerusalem?", fragte jemand anderes. "Nein", antwortete Hinzmann-Schwan und schon zeichnete Gemeinderätin Rebekka Gol den Hügel für den Galgenberg. "Wurde die Frau gesteinigt?", war die nächste Frage. Auch das konnte der Pastor nicht bejahen und schon musste die 23-Jährige weiter zeichnen. So einfach war das Rätsel gar nicht.
Mit vereinten Kräften und vielen Fragen gelang es der Gemeinde aber dann doch kurz vor dem letzten Strich für das Galgenmännchen herauszufinden, wer die Frau und wer ihr Mörder war. "War es der neue König?", mutmaßte Maren Kallauch (47) aus Kiel-Ravensberg. Pastor Hinzmann-Schwan ließ die Lösung gelten. Als Belohnung bekam die Bibelkennerin eine Tafel Schokolade, die sie gleich mit der ganzen Gemeinde teilte, "alle haben ja mit beigetragen." Die Ermordete war Isebel, die ihren Mann, König Ahab, dazu verführte gegen traditionelles jüdisches Recht zu verstoßen. Nach Ahabs Tod stifteten der Hauptmann der Palastwache und neue König Jehu die Mörder an, sie aus dem Fenster zu werfen. Nachzulesen in der Bibel im 1. und 2. Buch der Könige.

Gewinnerin zu Scherzen aufgelegt

Mit dieser eher ungewöhnlichen Predigtform durchbrach Hinzmann-Schwan den üblichen Rhythmus. "Die Predigten wiederholen sich alle sechs Jahre und die Leute kennen sie dann auch", begründete der 57-Jährige den neuen Ansatz. Obwohl so neu ist der gar nicht, auch im letzten Jahr gab es Bibelkrimis in der Matthias-Claudius-Kirche.
Bevor und nachdem die Gemeinde den Mörder gefunden hatte, ging es wie üblich zu. Der Pastor taufte einen Jungen, predigte über die Bibelstelle und ließ den Klingelbeutel rumgehen. Das Knifflige an der Geschichte ist, dass Gott durch den Propheten Elia den Hauptmann dazu aufforderte, die Königin zu ermorden. "Die Menschen damals hätten es nicht verstanden, wenn Gott ihnen gesagt hätte sie sollten vergeben", erklärte Pastor Hinzmann-Schwan. "Heute sind wir da zum Glück weiter".
Mit hin und wieder etwas anderen Gottesdiensten wollen er und seine Kollegin Pastorin Ulrike Brand den Kirchgängern auch mal neue Stellen aus der Bibel zeigen, die sonst nicht oft vorkommen. Wenn deswegen auch mehr Leute in die Kirche kommen, stört sie das natürlich nicht. "Ein paar sind heute auch wegen des Bibelkrimis hier", meinte Hinzmann-Schwan. Normalerweise kommen zwischen 30 und 50 Gläubige zum Gottesdienst. Auch Maren Kallauch und ihr Mann Dr. Dieter Rost (68) kamen extra deswegen. "Klasse", fand sie es. "Aber nur weil ich gewonnen habe", scherzte sie noch ironisch mit dem Pastor. Mit den Bibelkrimis geht es frühestens nächstes Jahr weiter, aber Mitte August wird es wieder einen besonderen Gottesdienst geben. In einem Bibliolog sollen sich die Kirchgänger dann in die Figuren einer Bibelstelle hinein versetzen und erzählen, was sie aus deren Sicht denken.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 09:05 Uhr

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