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Werbekampagne in Kiel : Möbel Kraft geht in die Offensive

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Mit Plakaten und Anzeigen will der Möbelhaus-Chef Gunnar George die Kieler für die geplante Ansiedlung des Unternehmens aus Bad Segeberg gewinnen. Aufklären soll die Kampagne auch über die komplizierte Frage auf dem Abstimmzettel.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2014 | 06:54 Uhr

Kiel | Es geht um viel Geld. Allein die geplante Investition soll Möbel Kraft zufolge bei 60 Millionen Euro liegen. Und dann der Umsatz: Mindestens 40 Millionen Euro will Geschäftsführer Gunnar George mit dem neuen Möbelhaus im Jahr in Kiel erwirtschaften. George ist mit den Vorbereitungen fast „auf der Zielgeraden“. Läuft alles gut, könnte die Filiale des Segeberger Unternehmens schon im Dezember 2015 eröffnen. Doch George steht ein riesiger Stolperstein im Weg. Er hatte die Rechnung ohne drei Kieler Naturfreunde gemacht. Deren Initiative hat den ersten Bürgerentscheid in der Landeshauptstadt erzwungen.

In weniger als vier Wochen dürfen fast 200.000 Kieler abstimmen: Soll Möbel Kraft kommen – oder nicht? Die Stadtverwaltung steht mit ihrer Informationskampagne pro Möbel Kraft in den Startlöchern, auch die Gegner kämpfen. Nun geht Gunnar George in die Offensive – mit einer Werbekampagne, die nach eigener Aussage etwa 100.000 Euro kosten wird.

„Grüner Daumen hoch“ – das ist nur einer der Sprüche mehrerer Protagonisten, die den Bau des Möbel-Marktes auf Plakaten, Großflächen, im Internet und in Anzeigen anpreisen werden. Der Satz wird dem Dipl.-Biologen Detlef Hammerich aus Neumünster zugeschrieben, der für die Stadt Kiel das artenschutzrechtliche Gutachten zur Ansiedlung erstellt hat und Naturschützer besänftigen soll. Auch mit Wortwitz will Möbel Kraft die Kieler erobern: „Kiels stärkste Kleiderschränke freuen sich schon auf Möbel Kraft“ – damit wirbt Timm Kaminski, Football-Spieler bei den Baltic Hurricanes, für die Ansiedlung.

Doch es geht nicht nur ums Marketing. Auf dem Abstimmungszettel steht eine Frage, die verwirren könnte – und bei der Möbel Kraft Aufklärungsbedarf sieht. „Soll die Planung für ein Möbelmarktzentrum (...) am Westring eingestellt und somit der Beschluss der Kieler Ratsversammlung zur Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 988 aufgehoben werden?“ So lautet die Kurz-Version der Frage, über die am 23. März abgestimmt wird. Ergo: Wer für die Ansiedlung stimmen will, muss „Nein“ ankreuzen. Die Angst aller Befürworter: Die komplizierte Frage könnte für ein Ergebnis sorgen, das die Meinung der Bevölkerung gar nicht widerspiegelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine nicht-repräsentative Befragung im Auftrag des Unternehmens im Februar unter rund 60 Kielern in Gaarden, Mettenhof und in der Innenstadt. Dabei setzten 65 Prozent der Befragten ihr Kreuz an der Stelle, die nicht ihrer Meinung entsprach.

Was spricht aus Sicht des Möbel Kraft-Chefs George für den Bau? Sein wichtigstes Argument sind die maximal 300 neuen Arbeitsplätze – die sind aber nicht vertraglich mit der Stadt Kiel geregelt. „Wir haben die in einem Brief an die Stadt bestätigt“, sagt George. Ebenso stehe Möbel Kraft zum Standort, in dem man sich für mindestens 15 Jahre verpflichtet habe, dort Gewerbesteuern zu zahlen.

Unterstützer findet George in der Mehrheit der Ratsversammlung und der Verwaltung, in der Wirtschaft und bei den Gewerkschaften. Die Stadt selbst bereitet unter anderem das Schalten eigener ZeitAnzeigen und das Anbringen von Plakaten ab kommender Woche vor. Nach Angaben einer Sprecherin belaufen sich die Kosten dafür auf „maximal 30.000 Euro“. Die Gegner der Ansiedlung (www.buergerentscheid-kiel.de) planen indes eine Demonstration am kommenden Samstag, 1. März, ab dem Hiroshimapark/Rathausplatz (12 Uhr).

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