Arbeiten auf der Schleuseninsel : Moderne Zeiten mitten im Kanal

30 Meter tief in die Tiefe: Projektleiter Georg Lindner und Bau-Ingenieurin Charlotte Kirsch stehen auf der Schleuseninsel neben dem „Bohreimer“. Im Hintergrund füllen die Bauarbeiter die Stabilisierungsschächte mit Beton.
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30 Meter tief in die Tiefe: Projektleiter Georg Lindner und Bau-Ingenieurin Charlotte Kirsch stehen auf der Schleuseninsel neben dem „Bohreimer“. Im Hintergrund füllen die Bauarbeiter die Stabilisierungsschächte mit Beton.

Der neue Düker in 25 bis 30 Meter Tiefe wird sämtliche Versorgungsleitungen zur Holtenauer Schleuseninsel im Nord-Ostsee-Kanal aufnehmen. Die Arbeiten unterhalb von Schleuse und Kanalbett sind technisch anspruchsvoll und aufwändig. Das 20-Millionen-Euro-Projekt soll 2016 abgeschlossen sein

shz.de von
30. Januar 2015, 10:34 Uhr

Die Schleuseninsel am Eingang des Nord-Ostsee-Kanals kommt auf absehbare Zeit aus den Bauarbeiten nicht heraus. Wurde jüngst erst das neue Verwaltungsgebäude des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) bezogen, rollen schon wieder die Bohrmaschinen und Betonlaster an. Die Insel erhält einen neuen Düker, der sämtliche Versorgungsleitungen aufnimmt. 20 Millionen Euro sind für das Großvorhaben kalkuliert, das – zumindest laut Plan – in der zweiten Jahreshälfte 2016 abgeschlossen sein soll.

Das Wort „Düker“ stammt aus dem Niederländischen und steht für „Taucher“. Als unterirdische Verbindung wird ein Düker etwa zur Querung von Straßen oder Bahngleisen eingesetzt. In Holtenau ist es der Kanal mit seinen mächtigen Schleusenanlagen, der einer „normalen“ Kanalisation im Wege steht. Deshalb muss der Düker auf eine Tiefe von 25 bis 30 Metern abgesenkt werden. Der Startschacht steht auf der Südseite in der Wik, die große Schleuse und die Mittelinsel erhalten Zwischenschächte, und direkt vor dem Amtsgebäude auf der Schleuseninsel vor dem Holtenauer Ufer endet der 417 Meter lange Tunnel.

Die bisherigen drei Düker stammen allesamt noch aus den Gründerjahren des damaligen Kaiser-Wilhelm-Kanals und sind weit über 100 Jahre alt. Wie Georg Lindner als WSA-Projektleiter Dükerbau erklärt, waren es nicht allein bautechnische Gründe, die zur Modernisierung zwangen. Es ging auch um Fragen des Arbeits- und Brandschutzes: Wie rettet man an einen Arbeiter, der im engen Düker kollabiert? Wie bekämpft man ein mögliches Feuer?

Die neue moderne „Schlagader“, wie Lindner es nennt, wird Ende 2016 die bisherigen Verbindungen ersetzen. Wasser und Abwasser, Strom, Fernwärme, sämtliche Telekommunikation bis hin zu den Radarsignalen im Kanal – alles läuft künftig durch den modernen Düker. Er besitzt einen Innen-Durchmesser von 1,80 Metern, wird aber nicht begehbar sein. Wartungsarbeiten und auch die Erneuerung gebrochener Leitungen werden ausschließlich über die Schächte vorgenommen. Die heutige Technik macht möglich, was in der Geburtszeit des Kanals vor über 100 Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Die senkrechten Zugänge sind vergleichsweise komfortabel. Der vertikale Startschacht in der Wik misst fast zwölf Meter im Durchmesser, der Zielschacht auf der Schleuseninsel bringt es auf knappe acht Meter. Riesige schwere Gerätschaften kommen beim Bau zum Einsatz. 120 Tonnen wiegt die Bohrmaschine, für die auf der Schleuseninsel extra ein Anleger errichtet werden musste. Die großen Schächte im Süden und Norden sind jeweils von einem Ring stabilisierender Nebenschächte umgeben. Lindner und seine Kollege Jens Anke, Projektleiter für die Schleusen-Instandsetzung, haben ausgerechnet, dass in jedem Bohrloch etwa 60 Tonnen Beton verschwinden. Das summiert sich allein auf der Schleuseninsel bei 26 Nebenschächten über 1500 Tonnen – und erklärt eben auch, wie die stolze Bausumme von 20 Millionen Euro für das am Ende eher unauffällige Großprojekt zustande kommt.

Noch weiß niemand, ob sich beim Durchtrieb in der Tiefe Findlinge oder Mooreichen dem Mammut-Bohrer in den Weg stellen. Aber unabhängig von Verzögerungen im Zeitplan bleiben die Schleusen während des gesamten Bauprojektes voll im Betrieb. Lindner sagt: „Unser Ziel ist es, dass keiner etwas merkt.“  

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