Ehemaliges ZDF-„Traumschiff“ : Mit Video: „MS Deutschland“ sticht trotz Insolvenz in See

Passagiere warten in Kiel auf das Einchecken auf die „MS Deutschland“.
Passagiere warten in Kiel auf das Einchecken auf die „MS Deutschland“.

Das Kreuzfahrtschiff „Deutschland“ startet heute ab Kiel in seine letzte Saison. Die Passagiere sind begeistert, der Einsatz ist aber befristet. Das Insolvenzverfahren läuft weiter.

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09. Juni 2015, 16:49 Uhr

Kiel | Die Anziehungskraft des legendären Kreuzfahrtschiffs „Deutschland“ scheint trotz des laufenden Insolvenzverfahrens der Reederei ungebrochen.

Die letzte Kreuzfahrt-Saison des ehemaligen ZDF-„Traumschiffs“ sei fast vollständig ausgebucht, sagte der Geschäftsführer des Kreuzfahrtbetreibers Plantours, Oliver Steuber, am Dienstag in Kiel. „Wir haben die „Deutschland“ vom neuen Eigentümer gechartert, das Insolvenzverfahren läuft aber noch.“ Der wirtschaftliche Erfolg der Kreuzfahrt-Tour habe keinen Einfluss auf die Dauer des Insolvenzverfahrens.

Am Dienstagnachmittag machte sich das ehemalige „Traumschiff“ mit rund 370 Passagieren an Bord von Kiel aus auf den Weg nach Spitzbergen und Grönland. Im Sommer sollen drei weitere Touren in den Norden folgen - insgesamt soll die „Deutschland“ noch weitere 51 Tage als Kreuzfahrer mit rund 1200 Gästen auf See sein. Von September an ist sie dann als schwimmende Universität unter dem Namen „World Odyssey“ unterwegs.

Die Reederei musste Ende Oktober 2014 Insolvenz anmelden, etwa 60 Millionen Euro Schulden hatten sich angehäuft. Wegen der unsicheren Zukunft der „Deutschland“ hatte sich das ZDF im Januar vom „Traumschiff“ verabschiedet. Knapp 15 Jahre lang war der Kreuzfahrer Drehort der Serie. Die Suche nach neuen Investoren zog sich monatelang hin: Erst im Frühjahr wurde bekannt, dass ein Investor aus den USA das Schiff gekauft hat. Dabei soll es sich nach Angaben von Plantours um den texanischen Konzern Absolute Nevada LLC handeln.

Die eigentlich als Kreuzfahrtsschiff bereits ausgemusterte „Deutschland“ sprang kurzfristig für die reparaturbedürftige „Hamburg“ ein, die im Mai vor Schottland Grund berührt hatte. „Innerhalb einer Woche musste alles auf Vordermann gebracht werden“, sagte Steuber. Nachdem das Schiff mehrere Wochen vor Gibraltar vor Anker lag, putzten rund 100 Crew-Mitglieder innerhalb weniger Tage das Schiff. Noch auf der Anreise von Hamburg durch den Nord-Ostsee-Kanal wurde das bekannte „Traumschiff“-Logo auf dem Schornstein entfernt und mit gelber Farbe übermalt.

Weitere Einsätze der „Deutschland“ als Kreuzfahrtschiff sind trotz der guten Buchungslage nicht geplant, bestätigte der Kreuzfahrtbetreiber. Bis Ende Juli soll die „Hamburg“ in Bremerhaven fit gemacht werden.

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