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UKSH : Mit Video: Land gibt mehr Geld für die Rechtsmedizin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Trotz Finanzspritze – auch in Schleswig-Holstein gilt die Qualität der Leichenschau als verbesserungsbedürftig.

Kiel | Das Land stärkt seine Rechtsmedizin: Für das Institut am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein gibt es künftig eine jährliche Finanzspritze in Höhe von 970.000 Euro. Das wird Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) am Montag bei einem Besuch der Rechtsmedizin auf dem Campus in Kiel offiziell bekannt geben.

Ein gute Ausstattung der Rechtsmedizin ist unerlässlich, um Verbrechen aufzuklären. Die Dunkelziffer der Fälle, die gar nicht in der Rechtsmedizin untersucht werden, ist nach wie vor hoch.

„Der Landesregierung ist an einer grundlegenden Sicherung der Rechtsmedizin gelegen“, erklärt Frank Lindscheid, Sprecher im Gesundheitsministerium. „Weil sie an den Standorten Kiel und Lübeck die Anforderungen von Strafvollzugsbehörden und Justiz auf hohem Niveau erfüllt.“

Verletzungen durch Gewalttaten, Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch oder Tötungen  – bei Kriminalfällen dokumentieren und interpretieren die Experten die Sachverhalte, beantworten in Prozessen rechtsmedizinische Fragestellungen. In Schleswig-Holstein gab es vergangenes Jahr 564 gerichtliche Obduktionen, 2015 waren es 510. Außerdem gab es zahlreiche Laboruntersuchungen.

Laut Landesregierung sind die bestehenden Kapazitäten ausreichend, das Gesundheitsministerium gibt aber zu, dass die Rechtsmedizin chronisch unterfinanziert ist, viele Leistungen bislang nicht kostendeckend erbracht wurden. „Mit dem Sockelbetrag besteht nun die Perspektive einer wirtschaftlichen Konsolidierung“, betont Lindscheid.

Eine weitere Baustelle lässt das Land jedoch unangetastet. Nach offizieller Statistik werden in Deutschland 92 Prozent aller Morde aufgeklärt. Aber nur sieben Prozent der jährlich 900.000 Verstorbenen kommen überhaupt in die Gerichtsmedizin. In Skandinavien sind es 30 Prozent. Als Ursache für die niedrige Zahl bei uns gelten Mängel bei der Leichenschau, bei der viele Ärzte offenbar nicht so genau hinschauen.

Die Universität Münster hat auf Basis einer Studie errechnet, dass jedes Jahr bei rund 10.000 Menschen fälschlicherweise eine natürliche Todesursache diagnostiziert wird. In der Mehrheit der Fälle handelte es sich um nicht erkannte Unfälle, Suizide, ärztliche Kunstfehler oder Vergiftungen. Aber 1200 der Toten seien unerkannte Opfer von Verbrechen. Rechtsmediziner in Göttingen haben in den vergangenen fünfzehn Jahren zehn gewaltsame Kindstötungen aufgedeckt, weil Säuglinge obduziert wurden, bei denen zunächst ein natürlicher Tod festgestellt worden war.

Die Justizminister der Länder haben mehrfach angemahnt, dass „die Qualität der äußeren Leichenschau verbesserungsbedürftig“ ist und bereits 2009 die Empfehlung ausgesprochen, dass nur noch Ärzte mit Zusatzqualifikation Leichenschauen vornehmen sollten. Oder die Aufgabe an die Gesundheitsämter übertragen wird. „Dem stimmen wir aus fachlicher Sicht zu“, sagt der Sprecher des Gesundheitsministeriums. Aber umgesetzt sind die Forderungen in Schleswig-Holstein noch nicht. Eine große Reform des Bestattungsrechts haben lediglich Berlin, Brandenburg und Bremen gewagt.

Welche Fälle in der Rechtsmedizin untersucht werden und ob es dort wirklich so abläuft wie im „Tatort“ sehen Sie im Laufe des Tages in einem Video auf shz.de.

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erstellt am 27.Feb.2017 | 11:17 Uhr

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