Innovation aus Kiel : Mit Titanpulver zum Marktführer

Bewährte Nähe zur Forschung: Matthias Scharvogel (Mitte) erklärt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (l.) und KiWi-Chef Werner Kässens vor dem Brennofen das Produktionsverfahren.
Bewährte Nähe zur Forschung: Matthias Scharvogel (Mitte) erklärt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (l.) und KiWi-Chef Werner Kässens vor dem Brennofen das Produktionsverfahren.

Die Element 22 GmbH am Seefischmarkt produziert Bauteile nach einem unkonventionellen, aber äußerst sparsamen Verfahren. Die aus Pulver gegossenen Titan-Produkte finden in der Medizinmtechnik oder der Luftfahrt reißenden Absatz.

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17. Dezember 2017, 17:48 Uhr

Erstaunliche Erfolgsgeschichte des Unternehmens Element 22: Die vor sechs Jahren gegründete Kieler Firma stellt Titanbauteile in höchster Qualität für den Weltmarkt her. In direkter Nachbarschaft zum Geomar-Forschungszentrum, im Gebäude 13 auf dem Kieler Seefischmarkt in Wellingdorf, hat Element 22 jetzt seine neue Produktionsstätte vorgestellt. Die millionenschwere Investition soll helfen, den Umsatz (derzeit: 3 Millionen Euro) und auch die Belegschaftsstärke (derzeit 30) zu verdoppeln.

Element 22 im Periodensystem der Chemie ist das Metall Titan (abgekürzt: Ti). Titan gehört zu den zehn häufigsten Elementen in der Erdkruste, tritt aber zumeist in mineralischen Verbindungen auf. In seiner reinen Form hat das Metall geradezu fantastische Eigenschaften. Eine an der Luft gebildete Schutzschicht macht es beständig gegen äußere Einflüsse, Titan besitzt eine hohe Festigkeit bei relativ geringer Dichte und gilt als korrosions- und temperaturbeständig.

Diese Vorteile macht sich die Element 22 GmbH zunutze. Das Unternehmen verfügt über eigene Patente und setzt auf ein höchst ungewöhnliches, geradezu revolutionäres Verfahren. Im Gegensatz zur herkömmlichen Produktion werden die benötigten Bauteile nämlich nicht aus einem festen Block herausgefräst, sondern aus feinem Titanpulver gegossen. Das vorgefertigte Bau-Element wird dann abschließend in einem exakt ausgeklügelten Systen im Ofen bei glühender Hitze von über 1000 Grad unter Vakuum verdichtet. Das Erstaunliche: Das gegossene Bauteil besitzt später eine bessere Festigkeit als das aus dem Titanblock herausgeschnittene Werkstück. Der Erfolg liegt auf der Hand: Es gibt beim Herstellungsprozess praktisch keinen Abfall. Das Rohmaterial, immerhin beachtliche 80 Tonnen Titan jährlich, findet bei Element 22 eins zu eins Verwendung.

Aus der Medizintechnik, beispielsweise bei neuen Hüft-, Knie- oder Schultergelenken oder auch bei Herzschrittmachern, ist Titan nicht mehr wegzudenken. Auch in der Luftfahrtindustrie kommen Titan-Produkte zum Einsatz. Und Verwendungsmöglichkeiten gibt es schließlich auch in der Feinmechanik, der Schmuckindustrie und in elektronischen Geräten. Ein Handy mit Titan-Rahmen gilt als „unkaputtbar“. Die Kunden von Element 22 kommen mittlerweile aus der ganzen Welt.

Matthias Scharvogel, Geschäftsführer der Element 22 GmbH, war stolz, als er Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Werner Kässens, Geschäftsführer der Kieler Wirtschafts- und Entwicklungsgesellschaft (KiWi), nach dreimonatigem Umbau die neue, 1500 Quadratemer große Produktionshalle zeigen konnte. Und seine Argumente für die Ansiedlung auf dem Geländes des Seefischmarktes bestätigten die Strategie, die Kämpfer wie Kässens für aufstrebende innovative Betriebe fahren: Die Nähe zur Universität und zur Fachhochschule (und damit zu den Experten der Zukunft) macht den Standort Kiel für Startup-Unternehmen lukrativ. Der Franke Matthias Scharvogel zeigt sich dankbar: „Wir fühlen uns in Kiel sehr wohl und wollen uns langfristig engagieren.“

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