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Premiere bei der Niederdeutschen Bühne : Mit spitzer Zunge, Ouzo und Sirtaki

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Premieren-Abend bei der Niederdeutschen Bühne Kiel: Mit „Wat den een sien Uul“ stellt das Ensemble ein gern gespieltes Stück vor. Es verbindet den Ernst einer gescheiterten Ehe mit Humor und Leichtigkeit.

Eine heimelige Wohnzimmer-Atmosphäre sollen die Blümchen-Tapete und die Cocktail-Sessel vor dem Regal mit dem Bar-Fach und dem gerahmten Foto vermitteln. Petra (Britta Kabus) freut sich auf die Party zum 60. Geburtstag ihres Gatten Paul (Winfried Fischera). Doch Vera (Gisela Siebert) ist es nicht geheuer. „Da liegt was in der Luft“, bereitet die Kassandra gleich in der ersten Szene des Stückes „Wat den een sien Uul“ das Publikum der Niederdeutschen Bühne Kiel auf Einschläge vor.
Im Off verkündet verkündet Paul denn auch seinen Geburtstagsgästen, dass sie sich erstens auf den Heimweg machen und zweitens ihre Geschenke wieder mitnehmen können. Dieser Regie-Einfall erlaubt es, dass die Inszenierung mit nur sechs handelnden Personen auskommt. Bei Pauls Erklärung stehen einzig Ehefrau Petra und ihre beiden Freundinnen Vera und Monika (Heidi Wenzel) auf der Bühne. Sie können hören, wie der Hausherr – vom Leben gelangweilt und vom Whisky beflügelt – seine Ehe aufkündigt und mit seinen 60 Lenzen noch einmal voll durchstarten will.
Dahinter steckt natürlich eine junge Geliebte. Weshalb Monika und Vera fortan die Aufgabe haben, die verzweifelte Petra wieder aufzurichten. Die eine ist zuständig für emotionale Stärke, die andere für intellektuelle Standfestigkeit. Die spitzzüngige Vera sorgt auch immer wieder für Heiterkeit im Zuschauerraum, wenn sie etwa davon träumt, dass ihr eigener fauler Anhang es Paul doch gerne nachmachen könnte . . .
Soweit die Geschichte, die in besten Familien vorkommen soll. Für Verwicklungen auf der Bühne sorgt fortan der junge Stefan (Harald Fiedler). Er soll eigentlich die Tochter Lisa (Britta Poggensee) abendlich ausführen, verguckt sich aber in die Mutter. Das macht nicht nur die Tochter eifersüchtig, sondern lässt auch den getürmten Paul mit besorgter Miene nach Hause zurückeilen, um seiner Frau den frischen Freund auszureden. Wenn er von der Verantwortung des Ehemanns faselt, hat er mit seiner Scheinheiligkeit natürlich längst das Publikum gegen sich.
„Du kannst doch nicht alles hinter Dir lassen!“ – hinter diesem Spruch steckt die ganze Doppelmoral, die dem Stück auch seinen Titel gab. Was dem einen die Eule ist, ist dem anderen die Nachtigall. Soll heißen: Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch längst nicht das Selbe. Eine Botschaft, die auch fast 25 Jahre nach der Uraufführung noch aktuell ist und wohl auch künftig bleiben wird.
Wie das Stück nach der Pause die Kurve bekommt, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Der Sirtaki, den die Frauen aufs Parkett legen, und auch der Ouzo, mit dem die Männer sich bei ihrem Duell um Petra „besupen“, sind gestatten die Erinnerung an den Filmhelden Alexis Sorbas. Autor Donald R. Wilde und Regisseur Peter Schreiber verbeugen sich vor diesem stolzen armen aufrechten Griechen. Dessen oberster Grundsatz war die Freiheit des Menschen, der sich allen Widrigkeiten zum Trotz den Spaß und die Freude am Leben erhält. Und das ist nicht die schlechteste Botschaft, die von der Bühne kommen kann.


Die Aufführungen von „Wat den een sein Uul“ laufen donnerstags und freitags (jeweils 20 Uhr) sowie sonnabends und sonntags (18 Uhr) im Theater am Wilhelmplatz. Karten gibt es unter Tel. 0431 / 901 901 oder bei der Konzertkasse Streiber (Holstenstraße 88/90), Tel. 0431/ 9 14 16.

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erstellt am 10.Nov.2015 | 10:27 Uhr

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