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Stadtmuseum : Mit spitzer Feder und satirischem Blick

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine neue Ausstellung im Stadtmuseum Warleberger Hof eröffnet morgen . Gezeigt werden „Simplicissimus“-Karikaturen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg – „Zwischen Donnergrollen und Kaiserwetter“.

shz.de von
erstellt am 24.Mai.2014 | 06:16 Uhr

Mit dem Wetter hat diese Ausstellung nichts zu tun – auch wenn der Titel vordergründig so klingen mag: „Zwischen Donnergrollen und Kaiserwetter“ heißt die neue Schau im Kieler Stadtmuseum Warleberger Hof, die am morgigen Sonntag eröffnet wird. Gemeint ist damit ganz bildlich gesprochen die Zeitspanne zwischen 1896 und 1914 – samt gesellschaftlichen und politischen Veränderungen bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs vor genau hundert Jahren. Die wilhelminische Epoche wird im Spiegel des „Simplicissimus“ gezeigt, der damaligen satirischen Wochenzeitschrift, die von 1896 bis 1944 erschien. Das heißt: Im Warleberger Hof wird’s bissig. „Die Blätter sind schon künstlerisch ein Hochgenuss“, schwärmt Museumsdirektorin Dr. Doris Tillmann. „Spannend sind sie aber inhaltlich.“

Mit spitzer Feder zeichneten namhafte Künstler der Kaiserzeit Karikaturen von Kleinbürgern, Arbeitern und Staatsrepräsentanten – und zwar aus Sicht der unteren Schichten auf Militär und Adel und alle, die voller Ignoranz auf die Arbeiterklasse herabblickten. „Der Adel wurde als arrogant und dümmlich dargestellt“, erklärt Volontärin Wendi Marina Wierobski (Foto), die die Ausstellung kuratiert hat. Kritik in pointierter Form gab es gegen blinden Gehorsam – so wurde die Zeitschrift für die Obrigkeit zum Ärgernis. Repressalien wie Konfiszierungen hätten aber nur noch mehr zur Popularität des Magazins beigetragen, ergänzt Tillmann. Neben politisch-gesellschaftlichen Karikaturen fanden auch unterhaltsame Zeichnungen, auch mit frivolen Inhalten, Platz im „Simplicissimus“.

Werke von Thomas Theodor Heine sind im Warleberger Hof ebenso vertreten wie Exponate von Eduard Thöny, Bruno Paul oder Heinrich Zille. Im Stadtmuseum sind bis Mitte September insgesamt 63 Originalarbeiten der „Simplicissimus“-Zeichner zu sehen, die mit Tusche, Feder, Pinsel, Kreide und Deckweiß geschaffen wurden. Außerdem werden 17 Ausgaben der Zeitschrift und 31 Bildreproduktionen gezeigt. Konzipiert wurde die Ausstellung vom Hannoveraner Museum Wilhelm Busch, mit dem das Kieler Haus kooperiert.

Thematisch ist die Schau in zwei Blöcke unterteilt: Zum einen „Kaiserwetter“ mit dem Fokus auf Adel, Monarchie, Kaiser Wilhelm, Marinebegeisterung, Skandalgeschichten sowie Parteien und Kultur. Der zweite Schwerpunkt („Donnergrollen“ kündigt neue Zeiten und Krisen an – national und international, sowie den generellen Wandel in wirtschaftlicher, wissenschaftlicher, sozialer und politischer Hinsicht, weit über das Kaiserreich hinaus.

Wer tief in die Ausstellung einsteigen möchte, sollte sich Zeit nehmen: Zu den Zeichnungen gibt es ausführliche Texte.

„Zwischen Kaiserwetter und Donnergrollen.Die wilhelminische Epoche im Spiegel des Simplicissimus von 1896 bis 1914“ – 25. Mai bis 14. September; Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseum Warleberger Hof; Dänische Straße 19; 24103 Kiel; Telefon: 0431/901-3425; www.stadtmuseum-kiel.de; Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr; Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1 Euro; Ausstellungseröffnung: 25. Mai, 11.30 Uhr, mit Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, Dr. Gisela Vetter-Liebenow (Direktorin des Museums Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst), Dr. Doris Tillmann (Direktorin des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums).








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