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Seenotretter stellen sich vor : Mit Schiff-Simulator für die Landratten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am 20. März weiht die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ihr neues Info-Zentrum am Laboer Hafen ein. Besucher werden umfassend über die gefährliche Arbeit der Retter auf stürmischer See aufgeklärt. Am Schiff-Simulator können die Gäste selbst ihr Können erproben.

Jörg Ahrend ist erleichtert. Der Leiter des Info-Zentrums Nord der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wird wohl eine Punktlandung hinlegen. Der Umbau des bisherigen Rettungsschuppens in Laboe zur neuen landesweiten DGzRS-Zentrale ist so gut wie abgeschlossen, auch die Einrichtung macht große Fortschritte. Die offizielle Einweihung des neuen Gebäudes direkt am Laboer Hafen soll wie geplant am 20. März über die Bühne gehen. Das bedeutet auch: Zum 150-jährigen Bestehen der 1865 in Kiel gegründeten Gesellschaft können sich die Nordlichter ihren Gästen schmuck präsentieren. Von 14 bis 17 Uhr erhalten die Besucher Einblicke in die Arbeit der Seenotretter.

Das DGzRS-Projekt fügt sich gut ein in die Veränderungen in Laboe. Gleich nebenan entsteht nämlich zurzeit ein neuer Veranstaltungsplatz, dort werden künftig die traditionellen Fisch- und Wochenmärkte abgehalten. Von diesem Hafenplatz führt ein Fußweg direkt an der neuen Heimstatt der Lebensretter vorbei. Große Schaufensterscheiben sollen die Neugier anstacheln: Das Info-Zentrum lockt mit Schiffsmodellen, mit laufenden Bildern zur Historie der Seenotrettung – und mit einem Schiffsimulator, an dem auch Landratten ganz ungefährlich den Einsatz auf der stürmischen See proben dürfen.

Die DGzRS hat an der Nord- und Ostsee insgesamt 20 Rettungskreuzer und 40 Rettungsboote im Einsatz. Laboe ist der Heimathafen der „Berlin“, die nach der Werftüberholung rechtzeitig zur Einweihung wieder zurück ist. Jede Crew besteht aus neun Leuten, allesamt patentierte Seeleute. Vier von ihnen haben jeweils für zwei Wochen Dienst. Sie schlafen an Bord und halten die Maschine Tag und Nacht warm, sodass der Rettungskreuzer im Notfall binnen weniger Minuten auslaufen kann.

Zahlen für einzelne Standorte gibt die DGzRS nicht preis. Nur so viel: An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste von der Flensburger Förde bis zur Lübecker Bucht waren die Seenotretter im vergangenen Jahr nahezu 800 Mal im Einsatz. Sie konnten 304 Menschen aus kniffligen Situationen befreien und weitere 25 aus akuter lebensbedrohlicher Seenot retten. Schlechtes Wetter kennen die Kreuzer nicht. „Sie fahren bei jedem Wetter, bei jedem Sturm“, sagt Ahrend. Kein Orkan kann die Mannschaft im Ernstfall am Auslaufen hindern.

Dafür allerdings müssen sich die Aktiven auf ihre Ausrüstung und ihre Schiffe blind verlassen. Der DGzRS-Chef spricht von „Eigensicherung“: Die Kreuzer sind extrem stabil und gelten als unkenterbar. In den Rettungswesten aller Crewmitglieder befinden sich kleine Peilsender, und die neuen Wärmeanzüge garantieren einem Retter, der über Bord gefallen ist, das Überleben für mindestens 24 Stunden.

Das alles kostet Geld. Viel Geld. 53 Prozent der Jahreseinnahmen (21 Millionen Euro) von knapp 40 Millionen Euro stammen aus Förderbeiträgen, Einzelspenden und jenen 14  000 Sammelschiffchen, die überall auf den Tresen stehen. Weitere 34 Prozent machen Erbschaften aus, in der Summe sind es fast 14 Millionen Euro. Der Rettungsdienst verschlingt mit 27 Millionen Euro (86 Prozent) den Löwenanteil der laufenden Ausgaben. Deshalb wirbt die DGzRS auch gerne mit der Aussage: „Von jedem Euro gehen 86 Cent in den Rettungsdienst.“  

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erstellt am 10.Mär.2015 | 20:14 Uhr

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