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Zirkus-Premiere : Mit „Salto Vitale“ auf Traumreise

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Warten sich gelohnt, die Premiere von „Salto Vitale“ - wegen des Sturms um zwei Tage verspätet – erfüllt alle Erwartungen des Zirkus-Besuchers. Das Roncalli-Programm sprengt bisweilen die menschliche Vorstellungskraft und erhielt tosender Applaus von den Zuschauern. ˆ

Kann es überhaupt gelingen? Schafft es Andrey Romanovsky tatsächlich, seinen Körper in die enge hohe Metallröhre zu schieben? Der russische Akrobat scheint aus Gummi zu bestehen, er legt den Kopf auf die Knie, lüftet den Hut und winkt zum Abschied – dann ist er verschwunden. Der Clown Sergej Maslennikov betritt die Manege. Er wundert sich zunächst über das Klingelzeichen, öffnet nach einigem Zaudern aber schließlich doch die Klappe des Ofenrohrs – und Andrey kann seine hagere Gestalt wieder zu voller Größe entfalten. Zirkus ist immer ein Fest der Illusionen. Die Roncalli-Premiere von „Salto Vitale“ am Sonnabend war ein vielbejubelter Triumph der Fantasie über den Verstand – und kam gänzlich ohne wilde Tiere aus.

„Roncalli“-Gründer Bernhard Paul setzt seit 40 Jahren auf ein einheitliches Design. Weiß, Blau, Rot sind die typischen Farben, dazu eine gelbe Schrift für den Namenszug. Die Wohnwagen und die Zäune, die das Zirkus-Areal direkt an der Hörn abgrenzen, tragen diese Farben. Blaue und weiße Seile sichern das rote Zelt, und selbst am Dämpfer für die gestopfte Trompete des eigenen Zirkus-Orchesters erkennt der Besucher den Roncalli-Look. Sobald der Gast das Vorzelt betritt, erlebt er Zirkus-Atmosphäre. Konfetti flattert durch die Luft, Jongleure und Gaukler zeigen ihre kleinen Kunststücke. „Werden Sie Kind, werden Sie Clown!“, heißt es wenig später zur Begrüßung im Zirkusrund. Während Spaßmacher mit ihren Besen den Boden noch von Sägemehl befreien und dabei auch so manchen Zuschauer gleich mit abstauben.

Die Gäste werden mitunter Teil einer Show, die sich als Gesamt-Kunstwerk versteht, weniger als eine Ansammlung einzelner Revuepunkte. Zu Anfang trabt ein weißes Pferd durch den aufsteigenden Nebel in die Manege, das gedämpfte Licht sorgt für sanfte weiche Impressionen. Die harte Wirklichkeit bleibt draußen, die Traumreise startet, das ist die Roncalli-Botschaft.

Und ob es nun der rote Harlekin ist, der auf dem Seil auch noch Einrad fahren kann, das Duo Reyal, das am Chinesischen Mast nahezu übermenschliche Muskelkraft beweist, Kelly & Alexandra mit ihrer einzigartigen Handstand-Equilibristik oder das ungarische Trio Csaszar, das im Schleudergang den dreifachen Salto präsentiert – das Staunen lässt beim Publikum nicht nach. Respekt erzielen auch der kluge Foxterrier Fredy und sein Herrchen Funke. Bewunderung gebührt dem Musiker-Phänonem Gabor Vosteen. Er spielt fünf Blockflöten. Gleichzeitig wohlgemerkt. Der Lulatsch ist auch ein exzellenter Musikpädagoge. Er schafft es, aus vier zufällig ausgewählten Gästen in der Manege ein stimmiges Flöten-Quartett zu formen. Chapeau!  


> Roncalli gastiert mit „Salto Vitale“ bis zum 19. April in Kiel. Die Vorstellungen laufen mittwochs bis sonnabends jeweils um 20 Uhr, mittwochs auch um 16 Uhr, sonnabends um 15 Uhr. Am Sonntag öffnet sich der Vorhang um 14 und um 18 Uhr. Der Eintritt kostet 21,90 bis 47,20 Euro. Ermäßigungen gibt es etwa für Kinder, Studenten und Rentner. Karten sind erhältlich unter dem Ticket-Telefon 01806 - 999 000 400 sowie an der Abendkasse.

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erstellt am 06.Apr.2015 | 21:34 Uhr

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