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Mit geklauter Tüv-Plakette unterwegs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mann aus Litauen fuhr monatelang mit gefälschten Nummernschildern herum / Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Strafe von 550 Euro

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2015 | 20:08 Uhr

Es war verlockend. Da lagen in einem Korb bei der Kfz-Zulassungsstelle in Altenholz ausrangierte Nummernschilder. Der Mann aus Litauen überlegte nicht lange. Er war erst seit kurzem in Kiel, hatte Geldsorgen und auf dem Hof einen alten abgemeldeten schwarzen Volvo stehen, den er kurz zuvor für ein paar Taler erworben hatte. Der Mann aus dem Baltikum nahm hinter dem Rücken der Mitarbeiter ein Paar abgelegte Nummernschilder heraus und schraubte sie kurzerhand an sein eigenes Fahrzeug.

Das ging natürlich nicht lange gut. Gestern, an seinem 36. Geburtstag, erhielt der Litauer die Quittung: Das Amtsgericht verurteilte ihn wegen Diebstahls, Urkundenfälschung und Verstoßes gegen das Versicherungsgesetz zu einer Geldstrafe von 550 Euro, abzustottern in monatlichen Raten von 25 Euro. Mit dieser Strafe kam der Angeklagte noch glimpflich davon, der Litauer verzichtete noch im Gerichtssaal auf eine Berufung.

Zu seinen Gunsten wertete das Gericht das volle Geständnis und die Tatsache, dass er nicht vorbestraft war. Außerdem lebt er in Kiel-Mettenhof in einer festen Beziehung, seine Lebensgefährtin erwartet in zwei Wochen das gemeinsame Kind. „Ich versuche jetzt, alles ordentlich zu machen“, ließ der Angeklagte vor Gericht über seine Dolmetscherin mitteilen. Er befinde sich in regelmäßigen Beratungen beim Jobcenter und bemühe sich um Arbeit. Seine Schwester in Norwegen unterstütze ihn, solange er nicht über eigene Einkünfte verfüge.

Ein Freund hatte ihm bei dem illegalen Trick mit den Nummernschildern geholfen. Offenbar hatten die beiden Kumpane von einem anderen Fahrzeug die Plaketten für Tüv und Asu sauber entfernt, um damit die abgekratzten eigenen Stempel zu überkleben. So richtig erinnern mochte sich der Angeklagte an die praktische Ausführung ihres Vorhabens nicht mehr.

Pech war nur, dass der Litauer und sein Kumpel dabei an einen Neuwagen geraten waren. Fabrikneue Fahrzeuge müssen bekanntlich erst nach drei Jahren dem Tüv vorgeführt werden, ältere Fahrzeuge sind bereits nach 24 Monaten fällig. Deshalb war den Polizisten schon auf den ersten Blick hin die Diskrepanz zwischen Tüv-Plakette und dem erkennbar alten Volvo klar. Alarmiert worden waren die Ordnungshüter von aufmerksamen Nachbarn, die Zweifel an der Fahrerlaubnis des Litauers und an der Autozulassung hegten.

Auch der Richter redete dem Angeklagten, der zwischen April und September 2014 nur „ein paar Mal“ mit dem Auto unterwegs gewesen sein will, ins Gewissen: „Bei einem schweren Unfall hätten sie vermutlich Millionen Euro bezahlen müssen. Sie hätten ihr ganzes Leben damit zu tun gehabt. Deshalb gibt es ja in Deutschland die Pflichtversicherung für Autos.“

Insgesamt 55 Tagessätze zu jeweils 20 Euro, zusammen also 1100 Euro, hatte die Staatsanwältin gefordert. Der Angeklagte, der ohne Anwalt beim Amtsgericht erschienen war, plädierte für eine finanziell erträglichere Strafe. Der Richter erhörte seine Bitte und halbierte die Summe auf 55 Tagessätze zu jeweils 10 Euro. „Sie dürfen mit den Zahlungen aber nicht in Rückstand geraten“, machte er dem Angeklagten unmissverständlich klar. Der Litauer antwortete kurz und knapp: „Ich werde alles zahlen.“

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