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Night of the Profs : Mit Fantasie gegen das Spardiktat

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die beliebte „Nacht der Professoren“ an der Kieler Universität ist auch eine „Nacht der Studenten“. Denn seit Jahren schon weisen Lehrende wie Lernende gemeinsam bei dieser Veranstaltung auf strukturelle Mängel hin. Ein dringender Appell an die Landespolitiker fand am Freitagabend ungezählte Unterstützer.

shz.de von
erstellt am 23.Nov.2014 | 21:59 Uhr

Wer wissen wollte, was es mit der Traumdeutung von Joseph und Daniel im Alten Testament auf sich hatte, wie viel Glück das schottische Lebenswasser, der Whisky, spenden kann und welche rechtlichen Hürden bei der Traumfrau-Suche zu meistern sind – der war am Freitagabend bei der „Nacht der Professoren“ an der Kieler Universität genau richtig. Über 6000 neugierige Besucher ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, die wahren und wichtigen Geheimnisse der Wissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu ergründen.

Die „Night of the Profs“, die sich in ihrer neunten Ausgabe dem Thema „Träume“ widmete, ist im Kern eine gemeinsame Protestveranstaltung von Uni-Leitung und Asta als Vertretung der Studenten. Im Sinne der guten Lehre auf die Missstände aufmerksam machen, auf überfüllte Hörsäle, fehlendes Personal und zurückgefahrene Zuschüsse. Bei der ungewöhnlichen „Nacht“ zeigt die CAU einmal im Jahr, was trotz der Einschränkungen an Forschung und Ausbildung möglich ist.

Schilder wie „Uni ohne Geld“ oder „Hier sitzen 1,7 Studenten“ klebten auf den Stühlen, als Uni-Präsident Lutz Kipp und Sophia Schiebe vom Asta die Audimax die „Nacht“ eröffneten. Ihre Botschaft: Lehre und Lernen müssen in einem guten Umfeld möglich sein. Die Asta-Vertreterin bat um solidarische Unterschriften für ihre Forderungen, die sie in einem Offenen Brief an die politischen Akteure im Lande Schleswig-Holstein richtet. Ungezählte Gäste hinterließen denn auch ihren „Wilhelm“ auf den Leinwänden, die über Tapeziertische ausgebreitet waren.

Die Ehre des ersten Vortrags gebührt dem Publikumsliebling des Vorjahres. Mit einem Diskurs über das Kult-Festival in Wacken hatte der Politologe Joachim Krause 2013 die Herzen der Zuhörer gewonnen – diesmal beschäftigte er sich mit dem „Traum vom Frieden“. Seine Botschaft fiel angesichts der ungelösten Konflikte etwa in der Ukraine, in Syrien oder dem Irak eher pessimistisch aus. Krause befürchtet sogar eine Ausstrahlung auf den Ostseeraum. „Kleine Kriege sind denkbar“, warnte der Politologe und schloss den Vortrag mit den Worten „Der Nahe Osten liegt näher, als wir ahnen.“

Mit einem anderen Albtraum, nämlich der Ebola-Seuche in Afrika, beschäftigte sich der Infektionsmediziner Helmut Flickenscher. Sein aktueller Vortrag fand so viele Zuhörer, dass der Sauerstoff schnell verbraucht war und die Luft im Hörsaal trocken und stickig wurde – die wissbegierigen Gäste bekamen einen Eindruck, unter welchen Bedingungen Vorlesungen mitunter stattfinden.

Humorvoll ging dagegen der Historiker Oliver Auge sein Thema an, den „Traum vom Fliegen im Mittelalter“. Er streifte alte Eulenspiegel-Legenden, erzählte vom flugkundigen Kelten-Druiden Merlin und von den Forschungen Leonardo da Vincis, erinnerte an die nächtlichen „Hexenflüge“ auf dem Besen und am allerlei mehr fantasievolle historische Besonderheiten beim Versuch der Menschheit, die Grenzen der Schwerkraft zu überwinden. „Das lässt mich alles ganz bescheiden bleiben“, erklärte Auge am Ende seiner Ausführungen. Er warf noch ein Bild vom rotgewandeten Nikolaus an die Wand, der von seinen Rentieren durch die Lüfte gezogen wird – und wurde mit viel Beifall von der Bühne verabschiedet.

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