Globetrotter : Mit Down-Syndrom nach down under

Der Herausforderung gewachsen: Julius Werner und Manuel Zube bereisten Australien.
Der Herausforderung gewachsen: Julius Werner und Manuel Zube bereisten Australien.

Eine echte inklusive Herausforderung: Manuel Zube aus der Werkstatt am Drachensee war mit seinem Freund und Betreuer Julius Werner in Australien unterwegs. Nach zwei Monaten kehrten sie zurück. Experiment gelungen.

shz.de von
29. Juni 2018, 19:00 Uhr

Mit Down-Syndrom nach „Down Under“ – eine ungewöhnliche Reise haben Manuel Zube und Julius Werner hinter sich. Zube, der in der Werkstatt der Stiftung Drachensee arbeitet und das Down-Syndrom hat, war zusammen mit seinem ehemaligen Betreuer Julius Werner – inzwischen ist eine Freundschaft daraus gewachsen – zwei Monate lang in Australien unterwegs.

„Es war ein Experiment, um zu sehen, was möglich ist“, sagte Julius Werner. Ein Experiment, bei dem der inklusive Gedanke im Vordergrund stand – sie wollten beweisen, dass eine solche Reise auch mit einer Behinderung möglich ist. Und sie haben es bewiesen!

Auch wenn Manuel Zube auf die Frage, was ihm von der Reise am besten gefallen hat, zunächst das Schwimmen erwähnt, gab es natürlich weitere Highlights. Zum Beispiel, dass er auf einem Musikfestival in Melbourne nicht nur von der Band „Rudely Interrupted“ hinter die Bühne eingeladen wurde, er durfte anschließend auch auf der Bühne vor Hunderten von Zuschauern Gitarre spielen.

Auch der Uluru, besser bekannt als Ayers Rock, stand auf der Besuchsliste. „Dort unter dem Sternenhimmel im Schlafsack zu liegen, war schon etwas Tolles“, schwärmt Julius Werner. Und der Besuch einer Farm in Georgery wird beiden in Erinnerung bleiben: Manuel konnte dort erstmals selbstständig Auto fahren. Zudem gehörte ein Kleinflugzeug zur Farm, mit dem es hoch hinausging. Julius Werners Fazit: „eine tolle Reise, auf der wir überall offen von herzlichen Menschen empfangen wurden.“

Und eine Reise, die Manuel Zube verändert hat. „Er hat viele Ängste abgelegt, was ich vorab nicht für möglich gehalten hätte“, so sein Begleiter Julius Werner. Auch Frank Bentert und Wolfgang Assel von der Stiftung Drachensee sind positive Veränderungen aufgefallen. „Für Manuel war das Abenteuer eine große Herausforderung. Er ist selbstbewusster und ruhiger zurückgekommen“, so beide unisono. Frank Bentert bringt es mit einem Satz auf den Punkt: „Mit der Reise wurden nicht nur äußere, sondern auch innere Grenzen überwunden.“

Natürlich gab es auch den einen oder anderen Tiefpunkt, wie Julius Werner anmerkte: „Wenn man zwei Monate Tag und Nacht zusammen verbringt, nervt es manchmal, besonders anfangs. Letztendlich aber ist unsere Freundschaft durch die Reise gewachsen. Ich würde es jederzeit wieder machen.“ Begleitet wurden beide von einem Filmteam, das für den Sender Arte eine fünfteilige Dokumentation produziert und das, wie Julius Werner sagte, auch hilfreich war.

„Die haben sehr viel im Hintergrund gearbeitet und organisiert, uns viel ermöglicht und mir persönlich eine Menge Arbeit abgenommen.“ Und nicht nur die Arte-Serie, die Ende des Jahres ausgestrahlt wird, hält die außergewöhnliche Reise fest. Julius Werner und Alexander Möhrpahl von der Stiftung Drachensee, der beide von Kiel aus per WhatsApp begleitete, möchten das Erlebte in down under als Buch zu Papier bringen.

Als auf dem Drachensee-Gelände die glückliche Rückkehr gefeiert wurde, liefen im im Hintergrund Australien-Fotos von Julius Werner. Zudem wurde bereits ein Trailer der geplanten Arte-Dokumentation eingespielt. Gut möglich, dass aus den beiden Kieler Globetrottern Manuel Zube und Julius Werner noch heimliche TV-Stars werden.

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