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Spenderherz : Mit dem neuen Herz ins neue Jahr

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

13 Monate lang musste er warten: Ausgerechnet zu Weihnachten erhielt der schwerkranke Neumünsteraner Deniz Dej (25) im Kieler Uni-Klinikum ein Spenderherz. Das neue Organ, das aus Süddeutschland nach Kiel geflogen wurde, soll ihm künftig ein normales Leben ermöglichen.

Es gibt Geschichten, die niemand besser schreiben kann als der Zufall. Davon kann der schwer herzkranke Deniz Dej (25) aus Neumünster-Faldera berichten. 13 Monate lang (!) lag er auf der Intensivstation des Kieler Uni-Klinikums. Am 23. Dezember wurde endlich ein passendes Spenderherz für ihn gefunden. Noch in der Nacht folgte die ersehnte Operation – und bereits an Heiligabend konnte Deniz persönlich die Glückwünsche seiner Eltern und seiner beiden jüngeren Geschwister zum Neustart ins Leben entgegennehmen.

Deniz ist, wie der Norddeutsche es nennt, noch ein wenig blass um die Nase. Kein Wunder nach dem langen Klinikaufenthalt und seiner langen Leidensgeschichte. Als „high urgency“, als höchst dringlich, galt sein Zustand, als lebensbedrohlich – und von Lebensqualität war schon längst keine Rede mehr. Deniz konnte kaum 20 Meter gehen, er musste aufpassen selbst beim Essen, Trinken oder Zähneputzen. Die Krankheit war sein ständiger Begleiter, das kranke Herz pumpte einfach zu wenig Sauerstoff in seinen Körper. Ein heller, fast weißer Teint, dazu bläuliche Lippen – Koronarpatienten wie Deniz steht die Krankheit ins Gesicht geschrieben.

Einziger Ausweg: Die Organisation Euro-Transplant in den Niederlanden mit ihrer europaweiten Organ-Vermittlung findet endlich ein geeignetes Herz für den jungen Mann aus Neumünster. Am 23. Dezember war es soweit. Die Angehörigen eines hirntoten Menschen in Süddeutschland hatten in die Organspende eingewilligt – und die medizinischen Daten passten exakt zum schwerkranken Deniz in Schleswig-Holstein. Oberarzt Assad Haneya (Foto), der zusammen mit Professor Jochen Cremer, dem Chef der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie am UKSH, jährlich sechs bis acht Herzen verpflanzt, setzte sich in den Flieger.

Der Wettlauf mit der Zeit begann: Exakt um 19.57 Uhr hatte Haneya das Herz explantiert, bereits um 22 Uhr landete er mit seiner wertvollen Fracht in Holtenau. Der Flughafen war eigentlich schon geschlossen, wegen des Notfalls kehrte das Personal aus der Weihnachtspause zurück. Kollege Cremer hatte in dieser Zeit in der Klinik für die OP-Vorbereitung gesorgt, das Team stand ebenso bereit wie die Herz-Lungen-Maschine. Um 22.30 Uhr begann die Transplantation, um 23.50 Uhr übernahm das Herz seine Aufgabe im neuen Körper. „Ich bin aufgeregt und freue mich jedes Mal wie ein Kind, wenn das neue Herz zu schlagen anfängt“, sagt Chirurg Haneya.

Mitunter „schlafen“ Patienten nach solch schweren Eingriffen zwei Tage lang – doch Deniz Dej erwachte bereits am 24. Dezember um 14 Uhr. „Wo bin ich?“, war seine erste Frage an den Operateur. Nach einer Woche auf der Intensivstation wird er zum Jahreswechsel auf eine normale Station verlegt, allerdings gelten weiterhin strenge Isoliermaßnahmen. Denn um die Abstoßungsreaktion seines eigenen Körpers gegen das neue Organ zu verhindern, muss Deniz spezielle Medikamente einnehmen. Sie schwächen das Immunsystem und machen ihn anfällig selbst für harmlose Keime. „Schon eine kleine Erkältung kann Probleme bereiten“, erklärt Haneya.

Nähern darf man sich ihm vorerst nur mit Kittel, Haube und Mundschutz, doch damit können Deniz und seine Familie nach den großen Einschränkungen der letzten Jahre gut leben. Dem Krankenhausaufenthalt wird sich voraussichtlich Ende Januar eine mehrwöchige Reha anschließen, danach aber geht es endgültig zurück nach Hause. Die Menge der Medikamente wird langsam heruntergefahren, im gleichen Maße, wie sich Deniz’ Körper an das neue Herz gewöhnt. „Die Herz-Patienten sind alle sehr dankbar“, weiß Haneja, der regelmäßig Post von seinen Operierten erhält. Auch für Deniz fällt die Prognose günstig aus. „Das Immunsystem ist einen Tick anfälliger. Er muss stärker aufpassen als andere Menschen. Doch das Leiden ist beendet. Er kann künftig ein ganz normales Leben führen.“  

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erstellt am 30.Dez.2016 | 17:59 Uhr

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