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Algenbekämpfung : Mit dem Mähboot gegen das Glitschzeug

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit gestern wird der schleimige grüne Belag abgesammelt, der sich nahezu über die gesamte Teichlandschaft am Kleinen Kiel gelegt hatte. Das Phänomen hat Bedeutung auch für eine der wichtigsten Investitionen der Zukunft – den Kiel-Kanal an der Holstenbrücke.

shz.de von
erstellt am 17.Mai.2016 | 19:09 Uhr

Die Algen kommen immer früher. In diesem Jahr haben sie den Kleinen Kiel schon in der ersten Maiwoche in eine grüne Wiese verwandelt. Seit gestern befreit ein „Mähboot“ das innerstädtische Gewässer von der schleimigen Last. Über die Gründe für den frühzeitigen Bewuchs, der noch Anfang des Jahrtausends erst im August beobachtet wurde, jetzt aber erstmals bereits im Mai bekämpft werden musste, herrscht Unklarheit. „Wir tappen nach wie vor im Dunkeln“, erklärt Stadtsprecher Arne Gloy. Vermutungen gibt es viele, mal wird warmes und sonniges Wetter für die massive Ausdehnung der krautigen Suppe verantwortlich gemacht, mal Silikat im Spülwasser der Regenwasserkanäle. Oder haben doch die Gänse Schuld? Hilft ein Fütterungsverbot?

Optisch sind die Fadenalgen aus Sicht der Landeshauptstadt ein Störfaktor für den Stadt-See zwischen Rathaus und Altstadt. Trotzdem kann Gloy beruhigen: Laut Grünflächenamt besteht „keine Gefahr, dass der kleinen Kiel umkippt“. Allerdings könne es Probleme bereiten, wenn die großflächigen Algeninseln absacken und sich am Grund zu nährstoffreichem Faulschlamm zersetzen. Mit dem Mähboot werden jetzt zumindest die Symptome bekämpft, das Übel aber nicht an der Wurzel gepackt, wie Gloy bestätigt.

Es wird derzeit experimentiert, wie man das Binnengewässer, das durch die nur 20 Meter lange Emil-Lueken-Brücke zweigeteilt ist, als Naherholungsrevier für die Kieler attraktiv gestalten kann. Bis 1846 bildete der Kleine Kiel mit dem heutigen Kieler Bootshafen einen durchgehenden Seitenarm der Förde. Die heutige Altstadt stand damit auf einer Halbinsel. Zunächst wurde der Zugang zur Förde verengt, 1904 dann die „Holstenbrücke“ – an der Nahtstelle zwischen Kleinem Kiel und Bootshafen – auf einer Länge von 230 Metern zugeschüttet und verrohrt.

Die Ufer am Kleinen Kiel sollen nun mit einem Röhrichtsaum begrünt werden, mit dem Ziel, den Rand zu befestigen und das Gewässer zu filtern. „Vor allem sollen die Pflanzen für die Gänse eine natürliche Barriere bilden und ihnen den Ausstieg aus dem Kleinen Kiel verwehren – zumindest dort, wo in Ufernähe Spazierwege verlaufen. Im vergangenen Jahr wurden verschiedene Pflanzensorten in Körben am Wassersaum versenkt, um zu untersuchen, welche Maßnahmen die größte Wirkung haben“, berichtet Gloy. Um die Algenbildung einzuschränken, reicht die kleine Menge an Röhricht allerdings nicht aus, sind sich die Experten sicher. Eingeplant sind solche Pflanzen auch als Filter für den neuen Kiel-Kanal, der demnächst im Bereich der einst zugeschütteten Holstenbrücke verwirklicht werden soll. Ob dieses künstliche Gewässer ebenfalls durch Algenbewuchs verunstaltet wird, ist noch völlig unklar. Ein Grüngürtel lenkt auf jeden Fall das Auge ab.

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