Mit dem Laubbläser zur Kieler Woche

Macht seinen Saubermann-Job gern: Heiko Heidmann.
Macht seinen Saubermann-Job gern: Heiko Heidmann.

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23. Juni 2015, 10:53 Uhr

Morgens um drei, wenn die Kieler Woche noch schläft, steht Heiko Heidmann bereits in voller Arbeitsmontur auf der Kiellinie. Er räumt auf. Damit die Kieler und ihre Gäste sich wohlfühlen, wie er sagt. Heidmann macht seit 37 Jahren den Dreck der anderen weg. Damals noch mit dem Besen, heute mit Laubbläser und Kehrmaschine.

Heidmann hat nicht immer nur Glasflaschen und Plastikbecher gefunden. „Mir sind Männer mit Liebeskummer begegnet und solche, die nicht mehr wussten, wo sie sich überhaupt befinden“, erzählt er und lacht. Der Job bei der Abfallwirtschaft Kiel macht ihm Spaß – auch noch nach so vielen Berufsjahren.

Während der Kieler Woche ist die gesamte Crew der Straßenreinigung im Sondereinsatz. „Sieben Teams mit 13 bis 18 Leuten sind unterwegs und beseitigen von der Hörn bis zur Kiellinie und in Schilksee die Reste vom Vortag“, erklärt Jürgen Monzer, stellvertretender Betriebsleiter des Abfallwirtschaftsbetriebes Kiel (ABK). Rund 1000 Müllbehälter müssen täglich entleert werden. Hinzu kommt die Reinigung der Veranstaltungsflächen, Straßen und Wege. 70 Fahrzeuge sind im Einsatz. „Wir merken immer, wenn am Vorabend gute Bands aufgetreten sind. Dann wird gefeiert, und dann haben wir wirklich gut zu tun“, so Monzer.

Im vergangenen Jahr haben die ABK-Männer insgesamt 280 Tonnen Müll eingesammelt, 2013 waren es noch 350 Tonnen. „Es gab Jahre da standen wir kniehoch im Müll“, erinnert sich Monzer. Weil die Budenbesitzer aber immer mehr auf Pfandbecher und -gläser setzen, hat sich das geändert. Vor sechs Jahren hat das kommunale Abfall-Unternehmen außerdem ein Trennsammelsystem eingeführt – seitdem gibt es auf der Kieler Woche Restmüll- und Glastonnen.

Wenn die Reinigungs-Teams in den frühen Morgenstunden ihre Arbeit erledigt haben, ist für sie noch lange nicht Feierabend. „Auch der Rest von Kiel möchte sauber bleiben“, schmunzelt Monzer. Deshalb sind er und seine Kollegen froh, wenn sich Jogger und Radfahrer möglichst spät dafür entscheiden, ihre Runden zu drehen. „Die Sportler sind für uns leider ein Hindernis. Wir pusten mit den Laubbläsern Scherben und Dreck hoch. Wir tragen Schutzkleidung, für alle anderen ist das gefährlich“, erklärt Monzer.

Die Abfallwirtschaft Kiel ist übrigens auch auf dem Wasser unterwegs. Mit ihrem 40 PS starken „Schiermoker“ fischen sie jeden Tag den Müll aus der Förde. Rolf Eichholz von der Abfallwirtschaft erinnert sich: „Einmal haben wir ein volles Bierfass gefunden – und es natürlich zurückgegeben.“ Generell findet sich auf der Kieler Woche so einiges an. „Ich habe schon oft Geld und Schmuck aufgesammelt“, sagt Straßenreiniger Axel Schneider. „Ich mache das seit 20 Jahren, ich wundere mich über nichts mehr.“  


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