Abenteuer : Mit dem Floß von Duisburg bis Kiel

„Tschüss und bis bald!“ 12.30 Uhr startete der Abenteurer am Sonntag mit seinem Floß in Duisburg gen Kiel.
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„Tschüss und bis bald!“ 12.30 Uhr startete der Abenteurer am Sonntag mit seinem Floß in Duisburg gen Kiel.

Dirk Schüler erfüllt sich einen Traum: In fünf Wochen mehr als 700 Kilometer auf dem selbstgebauten Floß durch Deutschland. Pünktlich zum Beginn der Kieler Woche läuft Schüler in die Förde ein.

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15. Mai 2012, 12:52 Uhr

Kiel | Für die einen bewältigt Dirk Schüler eine Midlife Crisis - doch für den 50-Jährigen ist es das Abenteuer schlechthin: Am Wochenende begann er die Tour auf seinem selbstgebauten Floß von Duisburg nach Kiel. Klappt alles wie geplant, läuft er pünktlich zum Kieler Woche-Start in die Förde ein. Bis dahin macht er auf der mehr als 700 Kilometer langen Tour Werbung für sein Lieblingsfest: die Kieler Woche.
Aber wie kommt Mann auf so eine Idee? Dirk Schüler: "Ich geh seit Jahren auf die Kieler Woche und habe sie auch von der Wasserseite kennengelernt, das hat mich einfach gereizt. Vom Schiff oder Floß aus kommt die Kieler Woche an einem vorbei und nicht man selbst im Geschiebe an der Kieler Woche, das ist ein ganz anderes Feeling." Außerdem freue er sich auf viele neue Begegnungen und darauf, "sich selbst in der Natur zu genügen".
Mit vier PS schipperte er an der großen Color Line-Fähre vorbei
2009 hat er sich mit seinem ersten selbstgebauten Floß "Treibgut" auf die Förde gewagt, ist klein wie in einer Nussschale an der riesigen Norwegenfähre Color Line mit seinem vier-PS-starken Motor vorbei geschippert. Das war für den Lkw-Fahrer aus Nortorf "beeindruckend und einfach herrlich".
Doch für den Winter hatte Dirk Schüler kein geeignetes Quartier für sein 2,40 mal vier Meter großes Floß. "Ich hatte meinen Spaß und hab es bei Ebay versteigert", erzählt er. Doch als 2010 die ersten Sonnenstrahlen frohlockten, kribbelt es Schüler in den Fingern: "Mir war klar, ich muss mir wieder eins bauen."
Schüler teilt sich die Wasserstraßen mit großen Frachtern
Bei seinem Freund Sönke Dworschak fand er Platz in einer großen Halle, um sein neues, noch größeres Floß namens "Hörn" (2,60 mal 5,20 Meter) aus Lärchenholz zu bauen. Beim Chef stieß er auf Verständnis für sein sechswöchiges Abenteuer - bei der Freundin auch, und so konnte er nach der Kieler Woche 2011 mit Bau und Planung der Strecke beginnen.
"Ursprünglich wollte ich München mit Kiel verbinden, denn ich gehe auch gern aufs Oktoberfest", sagt Schüler. Aber die Isar ist nicht schiffbar und der Rhein hat wegen des Frühjahrshochwassers eine zu hohe Fließgeschwindigkeit, sodass sich der Floßbauer für den sichereren Start den Rhein-Herne-Kanal bei Duisburg aussuchte. Doch ohne Risiko ist kein Abenteuer und um Kollisionen mit Riesen zu vermeiden, hat sich Dirk Schüler selbst Regeln aufgestellt: "Ich fahre nur bei guter Sicht, und auch wenn ich Beleuchtung am Floß habe, nur am Tag. Ich nutze ja Straßen der Berufsschifffahrt. Bei den großen Frachtern ist das wie beim Zug, die können nicht plötzlich stoppen."
Eigentlich hat Schüler an alles gedacht
Was hat er sich vorgenommen? "Mein Ziel ist Kiel, das steht auch auf den Bannern seitlich an meinem Floß. Mit dem 15-PS-starken Motor würde ich gern rund zehn Kilometer in der Stunde schaffen." Dafür hat er im Februar sogar noch die beiden Sportbootführerscheine für See- und Binnengewässer absolviert. Die Strecke hat Schüler genau studiert, wo ist ein Sportboothafen, wo kann alle zwei Tage getankt und eingekauft werden und an welchen Häfen kann er mit seinem Zelt übernachten.
Vom Rhein-Herne-Kanal geht es in den Dortmund-Ems-Kanal, Höhe Wolfsburg rechts ab in den Mittelland-Kanal, bei Lüneburg in die Elbe bis Brunsbüttel und dort auf die Zielgerade: den Nord-Ostsee-Kanal, um pünktlich zum Kieler Woche-Beginn am 16. Juni durch die Holtenauer Schleuse in die Förde einlaufen zu können.
Eigentlich hat er an alles gedacht, das schlimmste, so sagt Schüler, wäre ein Motorschaden. "Doch ich denke, wenn das passieren sollte, würde ich mir unterwegs einen neuen Außenborder holen." Wer sein Abenteuer verfolgen will, kann das auf Facebook unter "Floss Skipper".

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