zur Navigation springen

Abenteuer-Reise : Mit dem Bambus-Rad nach China

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Hamburger Paar fuhr mit Bikes aus einer Kieler Manufaktur durch 20 Länder und legte radelnd mehr als 12 000 Kilometer zurück – bei nur sieben Pannen.

shz.de von
erstellt am 21.Okt.2015 | 06:01 Uhr

Es war ein Kaltstart. Mit 25 Kilo Gepäck und neuen Rädern, die sie noch keine 100 Kilometer getestet hatten, brachen Marina (29) und Tim (34) Poser vor einem Jahr in Hamburg auf. Ziel: Richtung Osten. Beide hatten zuvor keinen besonderen Bezug zum Radfahren. „Vielleicht sind wir mal von Finkenwerder über die Elbe gefahren“, überlegt Tim Poser. Aber eine gemeinsame Tour? Keine Spur. Sie sind dann einfach drauf los geradelt. Und in China gelandet. Ein Trip von 12  000 Kilometern, durch 20 Länder. Ihr größter Antrieb: die Neugier auf andere Kulturen, andere Landschaften, andere Menschen. Das Rad, finden beide, bietet die richtige Geschwindigkeit dafür.

Über private Verbindungen war der Kontakt zu den Kieler Existenzgründern von „my Boo“ entstanden, die mit ihren in Ghana und Deutschland produzierten Bambusrädern bundesweit Schlagzeilen gemacht haben. Ein Sponsor finanzierte die Bikes, sie wurden speziell für die Reise ausgerüstet. Felix Habke, einer der drei Gründer, berichtet stolz, wie stabil die Zweiräder seien: „Es gab unterwegs nur sieben Pannen. Verschleißteile mussten ausgewechselt werden, wie Reifen oder Ketten.“

Die Idee zum Trip war ein Jahr vor der Abfahrt entstanden. „Freunde hatten von Bekannten erzählt, die mit dem Rad von Australien nach Deutschland unterwegs waren“, erzählt Karina Poser, gerade von dem Abenteuer ihres Lebens zurückgekehrt, bei einem Besuch in der Kieler Manufaktur. „Als wir das hörten, hat es Klick gemacht.“ Mit dem Fahrrad eine längere Reise unternehmen – das ließ sich das junge Paar einige Wochen lang durch den Kopf gehen. Wie lässt sich der Ausstieg auf Zeit finanzieren? Was bedeutet es für den Job? Die Entscheidung viel dem Paar dann leicht. „Wir haben uns in die Augen geschaut und gesagt: „Ja, wir wollen das“, erzählt die Kinderkrankenschwester. Sie bekam für 13 Monate Sonderurlaub, er kündigte seinen Job als IT-Marketing-Mitarbeiter in einer Hamburger Firma.

Die grobe Planung: „Wir wussten nur, es geht Richtung Osten“, berichtet Tim Poser. Sie verschlangen Bücher und Internet-Blogs und merkten: Andere Rad-Reisende sind genauso wenig erfahren oder trainiert. Das gab ihnen die Zuversicht, dass auch sie es schaffen würden. Mal fuhren sie 40 Kilometer, am Ende auch bis zu 160 Kilometer am Tag. Mal bei über 40 Grad in der Wüste, mal bei Minusgraden in den Bergen. Tim Poser fragt: „Was sollte schon passieren?“

Passiert ist in den 373 Tagen unterwegs natürlich so einiges. Viele kleine und große Erinnerungen sind für das Paar ein Schatz, von dem es noch lange wird zehren können. Eine türkische Familie ließ die beiden aus Gastfreundschaft im eigenen Ehebett schlafen. Eine chinesische Großfamilie quetschte sie zu den Kindern ins überfüllte Auto. An der afghanischen Grenze imitierten Kinder die deutschen Radreisenden – und alle hatten Spaß. „Jeden Tag tun sich neue Welten auf“, erzählt Tim Poser. Kein Wunder, dass sich die vergangenen zwölf Monate wie vier Jahre für ihn anfühlen. Für seine Frau war es auch das Erleben der großen Freiheit, „jeden Tag selbst zu gestalten.“ Mal haben sie gezeltet, mal in Hostels geschlafen und mal bei Einheimischen übernachtet. Gelebt haben sie von Erspartem, etwa 7000 Euro ohne den Rückflug.

Besonders schön fanden die Hamburger es in Kirgistan, da zieht es sie im nächsten Sommer für eine Tour wieder hin – „dann aber mit dem Geländewagen“.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen