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Kieler Trio : Mit Bambusrädern auf der Erfolgsspur

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vom Gemeinschaftsbüro zum eigenen Showroom: Drei Kieler Jungunternehmer eröffnen heute ihren ersten Standort in Kiel. Die Staatskanzlei hat bereits zwei Räder geordert.

Eine ausgefallene Idee kommt ins Rollen: Heute eröffnen Maximilian Schay (24), Felix Habke (30) und Jonas Stolzke (23) ihren ersten eigenen Laden in Kiel. Mit ihrem Mut, Fahrräder aus afrikanischem Bambus herzustellen, haben sie bundesweit Schlagzeilen gemacht (wir berichteten). Nun haben die Gründer von „myBoo“ ihr Gemeinschaftsbüro für Startup-Unternehmer im Kieler Wissenschaftszentrum geräumt, wollen im ehemaligen „Fahrradies“ im Norden der Stadt durchstarten. „Das ist der nächste logische Schritt“, sagt Jonas Stolzke.

Als der alte Geschäfts-Inhaber Ende 2014 in Rente ging, witterten die BWL-Studenten ihre Chance. Sie konnten Laden, Lager und Reparatur-Werkstatt mieten, in der nun auch Raum für die Montage der Räder ist. Dafür haben Schay, Habke und Stolzke den früheren Angestellten übernommen und eine zusätzliche Zweirad-Mechanikerin eingestellt. Eine Schicht frische weiße Farbe an der Wand, Bambusmöbel im Büro und neuer Fußboden – natürlich auch aus Bambus: Der Firmen-Standort wirkt zwar etwas klein, aber hell und freundlich.

Sie selbst nennen es Showroom. Klingt halt ein bisschen mehr nach Berlin als nach Kiel. In der Wik, direkt um die Ecke vom kreativen Anscharpark-Gelände, präsentiert das Trio nun Modelle mit glänzend lackierten Bambus-Rahmen. Tano, Bia, Afram und Nasia heißen die Räder für Damen und Herren, die mal sportlicher, mal hochwertiger daherkommen. Sie sprechen weniger den klassischen Drahtesel-Nutzer als den anspruchsvollen, gut situierten Kunden mit Hang zu individuellem Lebensstil und sozialer Ader an. Denn unter 1980 Euro ist hier keines der handgefertigten Stücke zu haben. „Die Kunden unterstützen ein soziales Projekt in Ghana, daher sind sie auch bereit, den entsprechenden Preis zu zahlen“, sagt Maximilian Schay. Zehn junge Ghanaer ohne Ausbildung und Job erhalten in der dortigen Werkstatt nach einer Schulung eine Perspektive. Metall-Komponenten der Bambus-Räder werden in Dithmarschen von Menschen mit Behinderung gefertigt. Auch auf den ökologischen Aspekt weist Schay hin: Bambus sei schließlich ein schnell nachwachsender Rohstoff.

Immerhin – mehr als 100 Stück der Bambus-Bikes haben die Kieler nach eigener Aussage seit Verkaufsstart vor zehn Monaten schon verkauft. Sie liefern an 40 Händler in der ganzen Republik, haben Abnehmer in Schweden, Italien, Österreich und in der Schweiz. Auch die Landesregierung setzt auf „myBoo“: Zwei „Büro-Räder“ hat die Staatskanzlei bestellt, als Spezialanfertigung mit dem Slogan „Der echte Norden“. Heute zur Eröffnungsfeier kommt Wirtschafts-Staatssekretär Frank Nägele zu Besuch, morgen schaut Ministerpräsident Torsten Albig vorbei.

Natürlich wollen die Jungunternehmer noch wachsen. Das Händlernetz erweitern. Die Auslandsmärkte stärker aufbauen. Dänemark, Holland und Frankreich stehen jetzt auf der Liste. In den kommenden Jahren, sagt Maximilian Schay, peilen sie dann eine vierstellige Summe verkaufter Bambus-Räder im Jahr an. Auch ein E-Bike und ein Modell mit Rennrad-Charakter haben sie schon im Visier.

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erstellt am 09.Feb.2015 | 06:32 Uhr

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