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Kritik an den Behörden : Missbrauchte Mädchen in Kiel: Polizei nennt weitere Details

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Mutter des Tatverdächtigen habe pädophile Neigungen ihres Sohnes verneint - aber auf psychische Probleme hingewiesen.

Kiel | Nach dem sexuellen Missbrauch von zwei kleinen Mädchen im Kieler Stadtteil Gaarden hat die Polizei am Montag weitere Einzelheiten mitgeteilt. Demnach verneinte die Mutter des in Untersuchungshaft sitzenden Tatverdächtigen bei einer Befragung am 18. Januar - zwölf Tage nach dem ersten Fall - pädophile Neigungen ihres Sohnes ausdrücklich. Sie habe aber auf akute psychische Probleme hingewiesen. 30 Stunden nach der zweiten Tat wurde der 30-Jährige dann am 1. Februar festgenommen. Er soll am 6. Januar ein fünfjähriges Mädchen in einem Kindergarten missbraucht haben und am 31. Januar ein Mädchen im Alter von sieben Jahren, das er vorher in seine Wohnung gelockt hatte.

Die Tat hat eine Vorgeschichte, die Fragen aufwirft. Es gab mehrere Anhaltspunkte, die darauf hinwiesen, dass von dem Tatverdächtigen eine Gefahr ausgehen könnte.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach der ersten Tat keine rechtliche Grundlage für einen Haftbefehl gesehen, obwohl der Mann bereits nach diesem Missbrauchsfall unter Verdacht stand und vorläufig festgenommen worden war. Der Kieler Polizeichef Thomas Bauchrowitz wollte das am Montag nicht bewerten. „Wir arbeiten immer daraufhin, dass wir bei schweren Straftaten in eine Beweissituation kommen, die am Ende zu einer Überführung reicht“, sagte er. Die Polizei könne nur zuliefern, was für eine Entscheidung über eine Untersuchungshaft gebraucht wird. „Aber wir treffen sie ja nicht“, sagte Bauchrowitz. Ob die Polizei gemeint habe, genug zu haben? „Genau“, antwortete der Chef der Polizeidirektion.

Die Polizei listete sehr detailliert die Vorgänge auf. So sei der 30-Jährige schon kurz nach dem Missbrauchsfall vom 6. Januar festgenommen worden. „Seitens der Staatsanwaltschaft wurden keine Haftgründe gesehen, so dass der Tatverdächtige nach erkennungsdienstlicher Behandlung, Sicherstellung seiner Kleidung und Vernehmungsangebot gegen 22.45 Uhr auf freien Fuß gesetzt werden musste“, führte die Polizei aus. Am 8. Januar habe die Mutter des Mannes am Polizeinotruf Sorgen bezüglich ihres Sohnes geschildert, aber auch auf mehrfache Nachfrage verneint, dass von ihm „eine konkrete Fremd- oder Eigengefährdung“ ausgehe.

Die Ex-Ehefrau des 30-Jährigen gab laut Polizei bei einer Vernehmung am 12. Januar auch keine Hinweise auf pädophile Neigungen. Der Allgemeine Soziale Dienst der Stadt habe ebenfalls keine solchen Hinweise gehabt.

Sozialdezernent Gerwin Stöcken hatte in der vergangenen Woche Versäumnisse eingeräumt und den zweiten Fall zutiefst bedauert. „Wir hätten dem Mädchen eine ganz schwere Erfahrung ersparen können“, sagte Stöcken. Aus seiner Sicht hätten Sozialpsychiatrischer Dienst, Polizei und Staatsanwaltschaft vorher handeln können. „An der Stelle wäre eine Ausfahrt gewesen, die alle hätten nehmen können“, hatte der Dezernent dazu gesagt.

Mit Blick auf die Arbeit der Polizei sehe er eine solche „Ausfahrt“ nicht, sagte Polizeichef Bauchrowitz am Montag. „Es wäre schon gut, wenn Herr Stöcken das sagen würde, wo er die Ausfahrt, die verpasste, sieht.“ Die Polizei gab auch bekannt, dass der 30-Jährige am 12.

Januar trotz Hausverbots den Kindergarten betreten hatte, in dem am 6. Januar die Fünfjährige missbraucht worden war. Beamte machten den Mann danach ausfindig und stellten ihn in einer sogenannten Gefährderansprache zur Rede. Am Abend des 12. Januar teilte die Mutter telefonisch der Polizei mit, sie habe Angst vor ihrem Sohn. Genauer habe sie dies nicht begründen oder erläutern können, hieß es.

Eine Übersicht mit allen Stimmen zum Thema gibt es hier zum Nachlesen.

 

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erstellt am 08.Feb.2016 | 19:33 Uhr

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