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Landgericht : Missbrauchsprozess in Kiel neu aufgerollt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Familienvater aus Kiel soll eine Schulfreundin seiner Tochter mehrfach vergewaltigt haben. In erster Instanz wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Mann bestreitet die Vorwürfe.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2014 | 07:07 Uhr

Kiel | Werner U. (52) kommt auf dem Stock gestützt in den Gerichtssaal. Der Familienvater muss sich seit gestern vor dem Kieler Landgericht zum zweiten Mal wegen schweren Kindesmissbrauchs verantworten. In erster Instanz wurde der Mann zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Laut Amtsgerichts-Urteil hatte er sich von 2001 bis 2004 in fünf Fällen an der Freundin seiner Tochter vergangen. Der Angeklagte legte Berufung ein. Auch das mutmaßliche Opfer Jana L., die heute 22-jährige Nebenklägerin, ging gegen das Urteil vor, denn in vier weiteren angeklagten Fällen wurde Werner U. freigesprochen.

Die Geschichte: Jana L. und seine gleichaltrige Tochter besuchten gemeinsam die Grundschule in Neumünster. Nach der Trennung von seiner Frau zog seine Tochter bald zu ihm in die Wohnung, Werner U. bekam das Sorgerecht. Jana lernte er auf einem Abschlussfest der Schule vor den Sommerferien kennen. Bei der genauen Jahreszahl sind die Angaben des Angeklagten widersprüchlich. „Aber an den Tag erinnere ich mich genau, plötzlich saß sie auf meinem Schoß, obwohl wir uns noch gar nicht kannten“, erzählt Werner U. gestern.

Obwohl seine Tochter und ihre Freundin Jana nach dem Fest zwei unterschiedliche Schulen besuchten, kam sie laut Angeklagten fortan häufiger, nahezu täglich zu Besuch, davor jedoch nie. Werner U., so sagt er, habe Mitleid mit ihr gehabt, „weil ich die Verhältnisse bei Jana zu Hause gesehen habe“. Immer, wenn ihre Mutter keine Zeit für sie hatte, kam sie zu ihm und seiner Tochter, auch über Nacht. „Zum Spielen.“ Sie soll ihn als Vaterersatz empfunden und sogar Papa zu ihm gesagt haben.

Die Vorwürfe: Werner U. soll im Zeitraum von 2001 bis 2004 mehrfach mit der damals Zehn- bis 13-Jährigen geschlafen und sie zum Oralverkehr gezwungen haben. Auch als Werner U. mit seiner Tochter schon in Bayern wohnte, soll Jana beide zweimal besucht und der Angeklagte sich an ihr vergriffen haben. Fünf der insgesamt neun angeklagten Fälle wurden in erster Instanz als erwiesen angesehen und mit einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten gesühnt.

Schon vorm Amtsgericht Neumünster bestritt er die Vorwürfe. Auch gestern sagte Werner U.: „Ich war geschockt, als ich plötzlich von der Anklage erfuhr.“ Erstmals konfrontierte ihn Janas Mutter am Telefon nach dem Silvesterbesuch 2004/05 ihrer Tochter damit. „Man hat mich Kinderschänder genannt, ich war geschockt, habe gezittert“, erklärt der Angeklagte gestern. Erst 2009 habe er dann von der Polizei von der Anzeige erfahren. Richter: „Gab es denn sexuelle Handlungen zwischen Ihnen und Jana?“ Werner U.: „Ich hab’ das nicht gemacht. Jana ist zwei Monate älter als meine Tochter. Das ist nicht meine Altersgruppe, das fass ich nicht an.“ Im Gegenteil: Annäherungsversuche des Mädchens will er zurückgewiesen haben. Auch Pornofilme habe er nicht mit den Kindern geschaut. Eine Sachverständige hatte die junge Frau in erster Instanz als glaubwürdig erachtet und wird nun auch vom Landgericht hinzugezogen. Vier Verhandlungstage sind vorerst angesetzt. Das Opfer, so beantragte es die Nebenklagevertretung, wird am dritten Tag per Videoübertragung aussagen, weil sie nicht auf den Angeklagten treffen will.

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