Prozess in Kiel : Millionenraub aus Geldtransporter: Sicherheitsfirma räumt Mängel ein

Im Januar erbeuteten zwei Männer mehr als zwei Millionen Euro. Am Montag beginnt das Gericht Zeugen zu befragen.

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01. Oktober 2018, 13:14 Uhr

Kiel | Im Indizienprozess um einen spektakulären Millionenraub aus einem Geldtransporter auf dem Weg von Hamburg nach Kiel hat ein Vertreter der Sicherheitsfirma schwere Mängel bei der Überwachung des Fahrzeuges eingeräumt. In dem 7,5 Tonner sei der sogenannte Bundesbank-Modus nicht aktiviert gewesen, das heiße, die Ladung sei nicht gesichert gewesen, räumte der Transportleiter des Unternehmens am Montag in seiner mehrstündigen Vernehmung vor dem Kieler Landgericht ein.

Wäre der Bundesbank-Modus wie vorgeschrieben während der Fahrt am 24. Januar eingeschaltet gewesen, hätte der Laderaum des Fahrzeugs ohne Freischaltung aus der Einsatzleitung unterwegs nicht mehr geöffnet werden können, sagte der Zeuge. Der inzwischen entlassene damalige Einsatzleiter habe aber die Scharfschaltung des 7,5 Tonners nicht weiter kontrolliert, räumte er ein. „Jetzt kann so etwas nicht mehr passieren“, betonte der 54-Jährige. Die Sicherheitsmaßnahmen seien seither drastisch verschärft worden. Einzelheiten nannte er aber nicht.

Auch dem Beifahrer hätte auffallen müssen, dass die Signallampe in der Fahrerkabine den Bundesbank-Modus nicht bestätigte, sagte der Transportleiter vor Gericht. Der Mann habe sich damit entschuldigt, dass die Dienstmütze des Fahrers die Sicht darauf verdeckt habe.

Für den Coup müssen sich ein 41-jähriger Fahrer einer Sicherheitsfirma und sein 48 Jahre alter mutmaßlicher Komplize verantworten. Sie sollen im Januar während eines Geldtransports von Hamburg nach Kiel auf einem Parkplatz in Kirchbarkau (Kreis Plön) unbemerkt drei Geldboxen umgeladen haben. Die Anklage lautet auf besonders schweren Fall gemeinschaftlichen Diebstahls mit Waffen. Dafür drohen bis zu zehn Jahre Haft. Der Großteil der Beute war im März bei Haus- und Autodurchsuchungen sichergestellt worden. Die Männer sitzen in Untersuchungshaft.

Das Landgericht wollte unter anderem Mitarbeiter der Sicherheitsfirma und der Raststätte anhören sowie Zeugen zu den Fahrzeugen befragen, in denen große Teile des Geldes gefunden wurden. Der Prozess wird am 16. Oktober um 9.30 Uhr fortgesetzt. Dann soll auch der Beifahrer gehört werden.

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