Prozess in Kiel : Millionenraub aus Geldtransporter – Kripobeamtin entlastet Beifahrer

Der 39-Jährige wurde über zwei Monate intensiv beobachtet. Der Fahrer hatte behauptet, er sei in die Tatplanung eingeweiht gewesen.

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25. Oktober 2018, 14:57 Uhr

Kiel | Im Prozess um einen spektakulären Millionenraub aus einem Geldtransporter ist der damalige Beifahrer des angeklagten Fahrers von der ermittelnden Kriminalbeamtin deutlich entlastet worden. Nach dem Diebstahl von rund 2,4 Millionen Euro auf einem Parkplatz in Kirchbarkau war auch der 39-Jährige als möglicher Tatbeteiligter ins Visier der Fahnder geraten, wie sie am Donnerstag vor dem Kieler Landgericht sagte. Er wurde - ebenso wie der Fahrer und dessen mitangeklagter Freund - rund zwei Monate intensiv überwacht. Nur gegen ihn gab es demnach keine Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung. Die Ermittlungen gegen ihn wurden eingestellt.

Der Verdacht gegen den 39-Jährigen war im Prozess wieder aufgekeimt, als der Fahrer seinen früheren Kollegen in einem überraschenden Geständnis beschuldigte, er sei in die Tatplanung eingeweiht gewesen und habe dafür 10.000 Euro erhalten sollen. Der als Zeuge geladene Mann berief sich danach auf sein Aussageverweigerungsrecht.

Anders als bei den Angeklagten habe es bei dem 39-Jährigen nach der Tat keinerlei Auffälligkeiten gegeben, sagte die Beamtin - weder habe er Kontakt zu den Angeklagten gesucht noch Urlaubsreisen, Luxuseinkäufe oder teure Restaurantbesuche getätigt. Auch mit den nach dem Millionenraub extra angeschafften Gebrauchtwagen, in denen die Millionenbeute sichergestellt wurde, hatte der Mann demzufolge nichts zu tun. Ihn hätten stattdessen die ganze Zeit massive Ängste um seine Finanzen und die Zukunft geplagt, berichtete die Zeugin.

Fahrer fiel schon vorher auf

In dem Verfahren müssen sich der 41 Jahre alte Fahrer und sein mutmaßlicher Komplize (48) wegen Diebstahls mit Waffen verantworten. Beide sitzen seit März in Untersuchungshaft. Der Fahrer fiel schon vor dem Millionenraub mehrfach bei der Sicherheitsfirma wegen Unregelmäßigkeiten auf, wie sich aus vor Gericht verlesenen Dokumenten ergibt. Demnach geriet er im Februar 2017 in Verdacht, als rund 45.000 Euro bei einem Geldtransport abhanden kamen und erneut im Januar 2018, als eine Geldtasche mit 900 Euro verschwand. Deswegen werde noch in Hamburg gegen ihn ermittelt. Fahrer und Beifahrer wurden nach dem Diebstahl entlassen.

Die Millionenbeute wurde bis auf rund 87.000 Euro sichergestellt und der Sicherheitsfirma zurückgegeben. Das Verfahren wird am 9. November mit weiteren Zeugenaussagen und den Plädoyers fortgesetzt.

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