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Messer, Schlagring, Elektroschocker : Milde Strafe fürs Rollkommando: Duo schlug Drogenhändler zusammen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schwere Körperverletzung und Nötigung, dazu unerlaubter Waffenbesitz – so lautete die Anklage gegen zwei junge Männer, die mitten in der Nacht eine Wohnung stürmten und den Inhaber krankenhausreif schlugen. Vor dem Amtsgericht kam es zu einer ungewöhnlichen Vereinbarung mit milder Strafe.

shz.de von
erstellt am 16.Nov.2015 | 18:00 Uhr

Blutiger Überfall mitten in der Nacht: Maskiert und mit Sturmhauben auf dem Kopf klingelten zwei junge Männer Sturm an einer Wohnungstür in Kiel-Dietrichsdorf und schlugen, als der Wohnungsinhaber öffnete, sofort auf ihn ein. Sie attackierten ihn mit einem Elektroschocker und stachen mit dem Messer mehrfach in sein Bein. Der Vorfall datiert vom April 2014. Anderthalb Jahre später verhängte das Amtsgericht eine ungewöhnlich milde Strafe für das nächtliche Rollkommando: 900 Euro Geldbuße für gefährliche Körperverletzung und Nötigung, dazu die Verpflichtung, jeweils 800 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Das Opfer hatte unter anderem einen Nasenbein- und einen Jochbeinbruch davongetragen.

Dem Urteil ging eine Vereinbarung zwischen Staatsanwaltschaft, den beiden Verteidigern und der Richterin voraus. Auf die Anhörung von Zeugen wurde deshalb verzichtet, auch die Hintergründe der Tat wurden nur gestreift. Offenbar handelte es sich bei dem Opfer um einen Drogenhändler, der auch „an kleine Kinder“ lieferte. So drückte es zumindest ein Verteidiger aus, der für seinen Mandanten sprach. Als dann auch noch der Cousin einer der beiden Angeklagten nach dem Genuss von angeblich gestrecktem Haschisch ins Krankenhaus eingeliefert wurde, sahen die beiden Nachbarn rot. Die beiden damals 21 und 22 Jahre alten Männer rückten zur Selbstjustiz aus.

Mittlerweile haben sich die Angreifer und ihr Opfer wieder vertragen. So schilderten es gestern jedenfalls die Angeklagten. Sie haben sich nach eigenen Worten bei dem Mann entschuldigt und bereits einen Teil des Schmerzensgeldes bezahlt. „Wir grüßen uns“, erklärte der ältere Angeklagte. Und sein Kumpel fügte hinzu: „Wir gehen sogar mitunter zusammen essen.“ Überprüfen ließ das Amtsgericht diese Erklärung nicht. Und ob das verprügelte Opfer weiterhin mit Haschisch handelt, blieb gestern ebenfalls unbeantwortet.

Doch selbst die Staatsanwältin lobte die Aussprache und Versöhnung. Angesichts von schnellem Geständnis und Täter-Opfer-Ausgleich, von aktiver Aufklärungshilfe und dem relativ jungen Alter der beiden Angeklagten bewertete sie den Überfall als „minderschweren Fall“, der einer juristischen Absprache nicht im Wege steht.

„Es tut mit leid. Ich bereue es“, gab sich der eine Angeklagte zerknirscht. „Ich weiß nicht, was in uns gefahren ist. Es wird nie wieder vorkommen“, erklärte der andere. Teil der Vereinbarung aller Prozessparteien ist auch die Einbehaltung der sogenannten „Asservaten“. Das Messer, das sie beim Überfall benutzten, erhalten sie nicht wieder ausgehändigt. Und auch der goldfarbene Schlagring, der gleich nach der Tat bei der Hausdurchsuchung sichergestellt wurde, bleibt in staatlicher Verwahrung. Im Gegenzug wurde der Vorwurf des unerlaubten Waffenbesitzes zurückgezogen.  

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