Nach Kollision mit Containerschiff : „Metall fehlt auf elf Metern“: Schäden an der Schleuse machen ratlos

<p>Seit Montag klafft ein Loch in der Südschleuse Kiel-Holtenau.</p>

Seit Montag klafft ein Loch in der Südschleuse Kiel-Holtenau.

Ein Containerschiff hatte das Schleusentor durchbrochen. Wie und wann eine Reparatur möglich ist, weiß noch niemand.

shz.de von
21. Februar 2018, 21:11 Uhr

Kiel | „Wir hatten große Hoffnung, das Tor einfach austauschen zu können, aber die hat sich heute zerschlagen“, erklärte Matthias Visser von der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) am Mittwochnachmittag, als klar wurde: Das Holtenauer Schleusentor ist so schnell nicht zu retten, wie gehofft.

Nachdem das Containerschiff „Akacia“ am Montagabend mit überhöhter Geschwindigkeit das geschlossene Tor der Südschleuse durchbrochen hatte, sollte so schnell wie möglich geklärt werden, wie groß der Schaden tatsächlich ist. Und er ist größer als gedacht.

Denn nachdem das Schiff aus der Schleuse geschleppt worden war, stellten die anschließend eingesetzten Taucher fest, dass die „Akacia“ mit ihrem Bug einen erheblichen Teil des 20 Meter hohen Tores weggerissen hat, so Matthias Visser: „Vier Meter von dem, was man oberhalb der Wasserlinie gesehen hat und nochmal sieben unterhalb des Wasserspiegels. Das Metall fehlt also auf elf Metern.“

<p>Es gibt noch keine Prognose für die Instandsetzungsdauer.</p>
Andrea Lange

Es gibt noch keine Prognose für die Instandsetzungsdauer.

Beschädigt wurden bei der Havarie so das gesamte Tragwerk des Tores sowie die darin befindliche Betriebstechnik und fünf der 16 Ballasttanks. Diese, erklärt der WSV-Sprecher, werden wahlweise mit Wasser oder Pressluft befüllt, um sie im Schleusenverkehr absenken beziehungsweise aufschwimmen zu können. „Bei drei fehlenden Kammern hätten wir es vielleicht noch hinbekommen.“

Normalerweise sind nur drei Tage nötig, um das alte Tor aus- und ein neues einzubauen. Denn es habe immer schon sogenannte Toranfahrungen gegeben, sagte Visser. „Aber auf so einen Schaden sind wir nicht eingestellt. Mit unserer Technik kommen wir hier nicht weiter.“

Spezialfirma gesucht

Hilfe soll nun von außen kommen. „Wir suchen jetzt eine kompetente Firma, die uns ein Konzept unterbreitet, wie so ein Tor geborgen werden kann, und eine Idee hat, wie der Bauablauf- und der Zeitplan aussieht.“ Erste Kontaktaufnahmen habe es bereits gegeben. Trotzdem kann Matthias Visser zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognose abgeben, wann die Südschleuse wieder ihre Funktion aufnehmen werden kann: „Erst wenn ich den Plan kenne, kann ich über Zeit reden.“ Nur so viel steht für Visser fest: „Alle Aktivitäten sind gerade auf die schnellstmögliche Inbetriebnahme der Schleusenkammer ausgerichtet.“

Am Mittwochvormittag betrug die Verzögerung für Schiffe, die Schleuse in Kiel-Holtenau zu passieren, laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel drei Stunden, in Brunsbüttel  eine Stunde. Matthias Visser: „Die Nordschleuse ist verfügbar, gleichwohl ist die Schleusenkapazität nicht die gleiche. Für die Schifffahrt ist es eine unangenehme Situation.“ Hinsichtlich des entstandenen Schadens ist die WSV übrigens bereits in Gesprächen mit der Versicherung des havarierten Schiffes.

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