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LandGericht Kiel : Messerstecher geht in Berufung

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach seiner Verurteilung zu einer fast dreijährigen Haft durch das Amtsgericht Neumünster hofft ein Einfelder nun in Kiel auf eine mildere Strafe.

shz.de von
erstellt am 18.Apr.2017 | 16:31 Uhr

Das Anliegen des Täters ist klar: Er hofft nach einer Entziehungskur und der Entschuldigung beim Opfer auf eine Bewährungsstrafe. Das Amtsgericht Neumünster hatte den 25-Jährigen im Dezember wegen schwerer Körperverletzung zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Nach der Berufung liegt der Fall des Messerstechers jetzt dem Kieler Landgericht vor. Gestern fand der erste von vier geplanten Prozesstagen statt.

Doch die Aussagen der zum Tatzeitpunkt größtenteils angetrunkenen Zeugen lassen zum konkreten Tathergang Fragen offen. Eine Rekonstruktion der Ereignisse war nur in groben Zügen möglich: So hatte der Angeklagte in der Nacht vom 3. zum 4. Juni 2016 mit Freunden am Einfelder See, am Strand an der Schanze, gefeiert. „Wir haben zu viel getrunken, und es kam zum Streit“, erklärte der Neumünsteraner vor Gericht. Infolgedessen ging er zwischen 2 Uhr und 2.30 Uhr nach Hause.

Auf dem Weg Richtung Bahnhof begegnete er einer Gruppe Jugendlicher. Diese fühlten sich bedroht durch den 1,93 Meter großen Mann, der ein Messer in der Hand hielt und hinter ihnen her lief. Auch als die Schüler in die Neue Straße einbogen, blieb der Angeklagte hinter ihnen. So suchten sie Schutz bei einer am Straßenrand stehenden Gruppe Erwachsener. Zwei Männer stellten den Unbekannten zur Rede, während ein dritter die Polizei rief. Als der Angesprochene in Richtung Dorfstraße weiterging, lief ihm einer der Männer hinterher. Kurz vor der Christuskirche fasste er den Eingeholten an der Schulter, woraufhin dieser ihm das Messer in den Bauch stach. Anschließend alarmierte der Täter selbst die Polizei, entfernte sich aber vom Tatort. Das Opfer wurde im Krankenhaus notoperiert. Er hatte Glück im Unglück: Beim Stich wurden keine lebenswichtigen Organe schwer verletzt.

Das alles hat ihn selbst überrascht, erklärte der Beschuldigte, dessen Blutalkoholtest bei seiner Festnahme einen Wert von 1,2 Promille ergeben hatte. „Jemand packte mich von hinten an der Schulter, da habe ich mich erschrocken.“ Beim Herumdrehen habe er den vermeintlichen Angreifer mit dem Messer lediglich auf Abstand halten wollen. „Auf einmal stand Herr S. da, und da war es auch schon zu spät – das Messer steckte schon in seinem Bauch.“ Auf die Frage des Richters, warum er überhaupt ein Messer mit einer feststehenden Klinge bei sich führte, sagte der Angeklagte: „Ich habe immer ein Messer dabei. Das habe ich mir so angewöhnt durch die Arbeit beim Sicherheitsdienst.“

Irgendjemand hatte gerufen „Halt ihn auf, die Polizei ist unterwegs“, erinnerte sich das Opfer im Zeugenstand. Also sei er dem Fremden gefolgt, habe ihn zum Anhalten aufgefordert. „Als ich ihn eingeholt hatte, standen wir uns mehrere Minuten schweigend gegenüber“, so der Kraftfahrer. „Ich spürte einen Bauchschlag.“ Sein Gegenüber sei daraufhin weggelaufen. „Dann ein Brennen im Bauch, und plötzlich war alles voll Blut“, sagte der Geschädigte.

Sie waren in der Tatnacht auf dem Rückweg von einer Party, berichtete der 17-jährige Zeuge über sich und seine Freunde. Als sie dem Angeklagten begegneten und „Moin“ riefen, sei dieser mit dem Messer auf sie losgegangen. „Ich habe versucht zu de-eskalieren, bin rückwärts gegangen und hatte dabei immer das Messer im Blick.“ Weil sich der Verfolger nicht abschütteln ließ, suchten sie Schutz bei den Erwachsenen. „Die drei waren ganz aufgeregt“, sagte eine Zeugin aus der Gruppe. „Sie hatten schon von Weitem gerufen, dass er sie in Ruhe lassen soll.“ Ob der Angeklagte zu dem Zeitpunkt schon ein Messer in der Hand hielt, konnte die Zeugin nicht sagen. „Er stand auf der anderen Straßenseite, und wir waren ja alle gut angeheitert.“

Mehr Klarheit sollen weitere Zeugenaussagen kommende Woche bringen.

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