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Prozessauftakt : Messerattacke nach Kieler-Woche-Feuerwerk

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Angeklagte kam zu spät zum Prozess, ein wichtiger Zeuge erschien gar nicht. Der Auftakt zum Verfahren über eine Messerstecherei stand unter keinem guten Stern. Opfer der Attacke war Ende Juni 2016 ein 14-jähriger Jugendlicher.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 18:16 Uhr

Um punkt 9 Uhr war es gestern voll im Saal 6 des Amtsgerichts Kiel. Nur einer fehlte: der Angeklagte. Der 20-Jährige kam eine gute halbe Stunde zu spät zu seiner Verhandlung, in der er sich unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten muss.

Der Vorfall soll sich nach dem Abschlussfeuerwerk der Kieler Woche 2016 ereignet haben. Der junge Mann hat laut Anklage einen damals 14-Jährigen mit einem Messer gefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter äußerte sich nicht zu den Vorwürfen, die von der Staatsanwaltschaft verlesen wurden. Laut Aussage des heute 15-jährigen Opfers – der Jugendliche ist auch Nebenkläger – hat der 20-Jährige zwei Mal mit einem Butterfly-Messer auf ihn eingestochen haben.

„Er war mit zwei weiteren Männern unterwegs“, sagte der 15-Jährige. „Einer seiner Bekannten rempelte mich drei Mal an, bis ich zu Boden ging.“ Als er versuchte aufzustehen, habe der Angeklagte das Messer gezogen. Der 15-Jährige erlitt eine Stichwunde unter dem Brustbein, die in der Universitätsklinik behandelt werden musste. „Ich trug eine geschlossene Lederjacke, deswegen waren die Verletzungen wohl nicht so schlimm“, so der 15-Jährige. Zu Hilfe gekommen sei ihm niemand, auch die beiden Begleiter des Messerstechers seien nicht eingeschritten. Im Gerichtssaal war sich der Zeuge hundert prozentig sicher, den Angeklagten aus der Tatnacht wiederzuerkennen. Nach dem Angriff hatte er diese Aussage auch schon bei der Polizei getroffen.

Er hätte den Angeklagten vor dem Angriff auf einer kurdischen Feier gesehen, daher sei er sich so sicher. Auch den Rempler identifizierte der Zeuge auf einem Foto, das ihm vom Richter vorgelegt wurde. Ihn kenne er ebenfalls vom Sehen. Ebenso konnte der junge Mann die Tatwaffe beschreiben: Ein Butterflymesser mit einem schwarzen Griff sei es gewesen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand im Dunkeln fast fremde Personen und gleichzeitig das Tatwerkzeug erkennt“, meldete der Verteidiger nach der Aussage Zweifel an.

Der 15-Jährige erklärte außerdem aus, dass derjenige, der mit dem Messer auf ihn einstach, am besagten Abend keine Brille getragen hätte. „Mein Mandant sieht sehr schlecht und das sogar mit Brille“, gab der Verteidiger hier zu bedenken. Dass sein Mandant ohne Brille unterwegs gewesen sein soll, hielt er für unwahrscheinlich.

Ein Urteil in dieser Sache konnte gestern noch nicht gesprochen werden. Denn: Ein Zeuge, der an dem Abend mit dabei gewesen sein soll, erschien trotz offizieller Vorladung nicht zu der Verhandlung. Verteidigung und Staatsanwaltschaft waren sich aber einig, dass sie die Verhandlung ohne ihn nicht fortsetzen wollten.

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