Fall „Hannibal“ in Neumünster : Messerattacke auf Hund: 53-Jähriger zum zweiten Mal verurteilt

Hannibal war sehr verspielt und liebte seinen Ball.
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Hannibal war sehr verspielt und liebte seinen Ball.

Vor rund zwei Jahren verendete der Weimarer Rüde Hannibal am Einfelder See in Neumünster. Ein Mann wurde verurteilt - und bestreitet die Tat.

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13. Januar 2015, 19:00 Uhr

Kiel | Für den qualvollen Tod eines Weimaraner Rüden ist ein Hundebesitzer und Jäger zum zweiten Mal zu einer Geldstrafe von 5400 Euro (180 Tagessätze zu je 30 Euro) verurteilt worden. Auch das Kieler Landgericht sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der Angeklagte den Rüden „Hannibal“ am 14. Dezember 2012 am Einfelder See bei Neumünster niedergestochen hatte - aus Verärgerung darüber, dass der Hund nicht angeleint war. Der Hund verendete auf dem Weg in eine Tierklinik.

Das Gericht ließ keinen Zweifel an der Täterschaft des 53 Jahre alten Mannes und schloss auch eine Notwehrsituation aus. „Der Tod des Tieres ist nur zu erklären, dass der Hund von Ihnen abgestochen wurde“, sagte der Vorsitzende Richter Stephan Worpenberg. Es sei „schon ein starkes Stück, sich mit einem Messer durchzusetzen und Selbstjustiz zu üben“. Der Stich sei mit Wucht ausgeführt worden. Er durchtrennte nach Angaben einer Rechtsmedizinerin eine Rippe, traf die Lunge und öffnete die Brusthöhle. Der Hund verblutete innerlich. 

Nach Feststellungen des Gerichts war der Angeklagte nicht gut auf den Weimaraner Rüden zu sprechen, weil dieser oft unangeleint ausgeführt wurde und bereits einmal seinen eigenen Hund - einen Terrier - angegriffen hatte. Der Mann hatte eine 73-Jährige, die an diesem Tag den Weimaraner Rüden ausführte, bereits aus der Ferne angeherrscht, sie solle den Hund anleinen. Die Frau zögerte, weil sie auf schneeglattem Grund fürchtete, von dem Tier womöglich zu Boden gerissen zu werden. So lief „Hannibal“ auf den Angeklagten zu und beschnupperte dessen Terrier.

Als sie hinzukam, habe sich ihr ein schreckliches Bild geboten, berichtete die Frau: „Ich sah, wie er das blutige Messer aus dem Hund herauszog.“ Der Angeklagte „war sich über das Verbotensein der Tat vollkommen im Klaren“, sagte der Vorsitzende Richter. Anders als die Verteidigung, die Freispruch gefordert hatte, glaubte das Gericht der Zeugin.  

Mit dem Urteil verwarf das Gericht die Berufung des Angeklagten gegen das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Neumünster. Damals hatte der 53-Jährige den Messerstich bestritten. Diesmal äußerte er sich nicht zum Tatvorwurf. Er muss jetzt mit weiteren Forderungen gegen sich rechnen. Der Besitzer „Hannibals“ will nun rund 10.000 Euro Schadenersatz einklagen.

Der Tod Hannibals hatte öffentliche Empörung ausgelöst. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wurde das bereits bestattete Tier exhumiert und obduziert. Dann stand fest: Hannibal war nach einem tiefen Messerstich in den Rücken innerlich verblutet.

Der Verteidiger hatte die Theorie eines unbekannten Dritten ins Spiel gebracht - daran wollte das Gericht nicht glauben. Es gebe keinen ernsthaften Zweifel an seiner Schuld. Die Neumünsteraner Amtsrichterin sagte beim ersten Urteil nach der Anhörung von zehn Zeugen und einer Rechtsmedizinerin zu dem Angeklagten: „Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass Sie es waren, der auf den Hund eingestochen und ihn letztlich getötet hat“. Für die Tat gebe es keinen vernünftigen Grund und keine Rechtfertigung.

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