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Kieler Woche: Sicherheit : Mehr Sperren, mehr Kontrollen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mit einem verschärften Sicherheitskonzept wollen Polizei und Landeshauptstadt die Kieler-Woche-Besucher vor terroristischer Gefahr schützen.

von
erstellt am 07.Jun.2017 | 16:52 Uhr

Das größte Volksfest Nordeuropas steht vor der Tür. Und mit ihm die Sorge um die Sicherheit der mehr als drei Millionen erwarteten Kieler-Woche-Besucher. Polizei und Landeshauptstadt stellten darum jetzt das neue Sicherheitskonzept der Kieler Woche vor. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Die aktuellen Anschläge in Manchester und London gaben hinreichend Anlass, die neue Gefährdungslage zu analysieren.“ Ein flexibles Kontroll- und Sperrkonzept soll in diesem Jahr den Kompromiss aus Sicherheit und Offenheit der Kieler Woche bilden. „Dieses Konzept wird zwangsläufig zu Einschränkungen im gesamten Innenstadtbereich führen“, betonte Kämpfer. „Die Sicherheit steht für uns aber an erster Stelle.“

Nach den zurückliegenden Wochen ein Gefühl absoluter Sicherheit für die zehntägige Großveranstaltung zu vermitteln, ist für Polizeidirektor Thomas Bauchrowitz schwierig. Denn: „Wir leben in einer Zeit, in der sich die Gefährdungslage jederzeit konkretisieren kann.“ Nach Anschlägen in Belgien, der Türkei und auch Deutschland hatte schon die Kieler Woche 2016 ein der allgemeinen Bedrohungslage angepasstes Sicherheitskonzept erhalten. In diesem Jahr fährt die Polizei noch schwerere Geschütze an der Förde auf. War das Aufgebot der Polizei 2016 etwa um 30 Prozent aufgestockt worden, erhöht sie ihre Präsenz dank der Unterstützung von Kollegen aus ganz Schleswig-Holstein in diesem Jahr um weitere 50 Prozent. Aus einsatztaktischen Gründen könne die Polizei keine Zahlen und Details nennen, betonte Bauchrowitz. „Nur soviel: Wir haben Verstärkung aus verschiedenen Polizeidirektionen im Land angefordert und sie auch bekommen.“

Mit umfangreichen Kontroll- und Sperrposten schafft die Polizei in der Kieler Innenstadt verstärkt spür- und sichtbare Barrieren, um potenzielle Angreifer abzuschrecken. Zur stärkeren Polizeipräsenz gehören auch mobile Kontrollstellen, an denen die Beamten selektiv Fahrer und Fahrzeuge überprüfen. Außerdem wird es für potenziell gefährliche Straßenzüge befristete Durchfahrverbote für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen geben. Mit dem Ziel, den Verkehr zu verlangsamen, wird die Polizei Hindernisse und Verengungen in stark frequentierten Verkehrsbereichen installieren. Wer also während der Kieler Woche unbedingt mit dem Auto durch die Innenstadt muss, sollte Geduld und Zeit mitbringen. Thomas Bauchrowitz: „Es ist kein Verbarrikadieren, sondern eine Koordinierung von Verkehrsströmen.“ Tillmann Voigt aus dem Kieler-Woche-Büro ergänzte: „Auch sonst waren Straßen gesperrt, diesmal werden nur einige Maßnahmen verstärkt.“ Empfehlenswert ist trotzdem mehr denn je, den Bus zu nehmen. Der öffentliche Nahverkehr ist von den Sperrungen ausgenommen.

Polizeihauptkommissar Bernd Triphahn – seit 13 Jahren für die Sicherheit auf der Kieler Woche verantwortlich – sagte zum neuen Sicherheitskonzept: „Es wird spürbarer sein für die Menschen – mit unterschiedlicher Intensität je nach Zeit.“ Zwar brachte der Austausch mit Veranstaltern etwa des Hamburger Hafengeburtstags oder des Kölner Karnevals hilfreiche Erkenntnisse. Aber die Kieler Woche, so Triphahn, sei eine spezielle Herausforderung: „Mit zehn Tagen ist sie sehr lang, und es gibt keine einheitliche, umzäunte Fläche.“ Zudem spiele sich das Leben der Landeshauptstadt parallel zum Volksfest ab. „Wir wollen die Leichtigkeit bewahren, trotzdem werden die Menschen die Kieler Woche im anderen Gewand erleben“, so Thomas Bauchrowitz. Er setzt auf die Akzeptanz der Bürger: „Es wäre schade, wenn der Ärger in der Bevölkerung über die Unannehmlichkeiten zu groß wäre.“

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