Mehr Platz für das „Gedächtnis der Stadt“

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19. Juni 2014, 04:29 Uhr

Es geht um nichts geringeres als das „Gedächtnis der Stadt“, betonte CDU-Ratsherr Wolfgang Homeyer eindringlich: „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Ein Stadtkulturerbe von unschätzbarem Wert steht auf dem Spiel.“ Gemeint ist das Kieler Stadtarchiv im Rathaus-Turm – es ist alt, es ist dort zu warm, und es platzt aus allen Nähten. Die Stadtverwaltung hat dies in einer Geschäftlichen Mitteilung, die am Dienstagabend im Kulturausschuss diskutiert wurde, beschrieben. Nach Angaben von Kulturdezernent Wolfgang Röttgers wurde bis zum Jahr 2050 ein Raumbedarf von 2000 Quadratmetern für Magazine, Öffentliche Räume mit Lesesaal sowie interne Funktionsbereiche errechnet.

Nur – wohin mit all den Akten, Fotografien, Karten, Plänen, Negativbeständen sowie Nachlässen und Privatarchiven Dritter, die stetig hinzukommen? Auch wenn sich die Kommunalpolitiker einig waren, dass etwas passieren muss: Die CDU steht mit ihrer Forderung nach einem „unumgänglichen Neubau“ bisher allein da. Der Antrag von Wolfgang Homeyer, die Verwaltung bis Ende Oktober ein „Standortfindungs- und Standortalternativenprüfungsverfahren“ für einen Neubau vornehmen zu lassen, wurde von der Kooperation aus SPD, Grünen und SSW abgelehnt. Deren Argument: „Die Stadtverwaltung weiß genau, dass was gemacht werden muss“, sagte SPD-Frau Ingrid Lietzow. Dezernent Röttgers ließ über den Kulturreferenten Rainer Pasternak ausrichten, eine Überprüfung der Möglichkeiten stehe ohnehin an. „Aber der Termin im Oktober ist aus technischen Gründen in keiner Weise zu halten“, sagte Pasternak. Angebote externer Firmen würden eingeholt – „wir gucken uns Lager für eine Akteneinlagerung an“, so der Kulturreferent. Seit 2013 dient bereits ein Teilabschnitt einer Halle im Wissenschaftspark zur vorläufigen Zwischenlagerung größerer Zugänge.

Homeyer betonte, der CDU gehe es nicht um eine Verlagerung der Archivalien, sondern eine Standortalternative zum Rathausturm. „Wer diesen nächsten Schritt ablehnt, der sagt, er habe keine Zeit oder keine Lust“, unterstrich der Ratsherr der Opposition. Doch damit stieß er bei der Ausschuss-Mehrheit auf taube Ohren. Für den Leiter des Stadtarchivs, Dr. Johannes Rosenplänter, hat der Ausschuss dennoch deutlich gemacht, „dass er erwartet, dass die Verwaltung tätig wird“. Welche Lösung am Ende des Findungsprozesses steht, ist für ihn völlig offen. Aber: „Ich sehe die Zukunft des Stadtarchivs außerhalb des Rathauses.“

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