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Kiel

25. November 2017 | 08:59 Uhr

Mehr Geld für Katzen-Kastration

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kommunen beteiligen sich – Entlastung der Tierheime bereits spürbar / Zwei Aktionszeiträume im kommenden Jahr geplant

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 19:42 Uhr

Schleswig-Holstein war bundesweit Vorreiter – und will es bleiben: Die landesweiten Kastrations-Aktionen von wild lebenden Katzen werden ausgeweitet. „Unser Ziel ist es, dass es im kommenden Frühjahr und im Herbst jeweils eine Aktion geben wird“, sagt der Geschäftsführer des Landkreistages Schleswig-Holstein, Sönke Schulz. Deshalb seien die kommunalen Spitzenverbände gerade in der Abstimmung, wie sie die 180 000 Euro aufbringen können, um die Kastrationen mitfinanzieren zu können. „Das Umweltministerium hat uns mitgeteilt, dass das Land seinen Beitrag in dieser Höhe nur beibehält, wenn wir auch Mittel in dieser Größenordnung zur Verfügung stellen“, sagt Schulz.

Dazu sind die Kommunen aber laut Schulz gern bereit, denn dass durch die Kastrationen das Elend der wild lebenden Katzen eingedämmt werde, sei schon spürbar. So melden die Tierheime bis zu 30 Prozent weniger Fundkatzen. Das entlastet auch die Kommunen, denen für die Fundtiere erhebliche Kosten entstehen. „Deswegen sind wir stark für eine Fortsetzung des Projektes“, sagt Schulz. „Die Population der frei lebenden Katzen darf nicht wieder ansteigen, sonst hätten wir das Geld in der Vergangenheit für nichts ausgegeben.“

Gestern endete die jüngste vierwöchige Kastrationsaktion, bei der über 1000 Tiere kastriert worden sind – wie viele genau, das wollte die Tierärztekammer gestern nicht mitteilen. In jedem Fall sind es deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. „Das ist ein Indikator dafür, dass die vorherigen Aktionen von 2014 bis 2016 Wirkung zeigen, was erfreulich ist“, sagt die Sprecherin des Umweltministeriums, Nicola Kabel. Seit die Aktion vor drei Jahren begann, sind über 10 000 wild lebende Tiere kastriert worden. So soll das Katzenelend der meist kranken Tiere verringert werden. Allein im Norden gibt es nach Schätzungen rund 65 000 wild lebende Katzen. Laut Ministerium steigt die Zahl stetig. Oft sind die Tiere krank und ernähren sich von dem, was sie in der Natur finden. Und sie vermehren sich schnell. Viele junge Tiere werden schon krank geboren, sind von Parasiten befallen und haben Infektionen.

In den vergangenen vier Wochen haben deshalb ehrenamtliche Helfer Tiere gefangen und zu Tierärzten, die zum Teil auf ihr Honorar verzichten, zum Kastrieren gebracht. Neben der Unterstützung durch das Land steuerten Tierschutzorganisationen 55 000 Euro bei. Gestern waren noch mehr als 20 000 Euro übrig. „Wir werden das Geld für eine neue Aktion nutzen – am besten im kommenden Frühjahr“, sagt Holger Sauerzweig-Strey, Vorsitzender des Tierschutzbundes Schleswig-Holstein. „In diesem Jahr hatten wir wegen der Herbstferien nicht so viele ehrenamtliche Helfer, die Katzen fangen konnten. Das wird im Frühjahr besser sein. Wir müssen am Ball bleiben, damit das Projekt ein Erfolg bleibt.“

Das sieht auch die Präsidentin der Tierärztekammer Schleswig-Holstein, Evelin Stampa, so. „Zwei Kastrationsaktionen pro Jahr, wie wir sie früher schon mal hatten, sind optimal. Es wäre toll, wenn sich die Kommunen daran finanziell stärker beteiligen könnten, so dass wie die Aktion zu einer Dauereinrichtung werden lassen.“ Im Dezember soll es dazu weitere Gespräche im Umweltministerium geben, wo alle Beteiligten an einem Tisch sitzen.

Sauerzweig-Strey will sich dann auch dafür einsetzen, dass Privat-Halter von Katzen wieder mindestens einen Zuschuss für die Kastration ihrer Katze bekommen können, wenn sie sie im Aktionszeitraum zum Tierarzt bringen. „Das können sich viele Menschen, die Hartz IV bekommen, sonst nicht leisten.“ Da sich aber auch diese Katzen im Freien bewegen und dort vermehren, trügen sie zur Ausweitung des Katzenelends bei. Sauerzweig-Strey: „Auch hier brauchen wir eine dauerhafte Lösung.“ Die Halter müssten noch mehr für das Thema sensibilisiert werden. Schon jetzt können Kommunen ein Ausgehverbot für nicht kastrierte Tiere verhängen. Allerdings machen nur die wenigsten davon Gebrauch – noch.


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