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Homosexueller Polizist : Mehr als rosa Blaulicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vortrag eines homosexuellen Polizeioberkommissars in Kiel: Das Outing auch im Dienst machte ihn glücklicher.

shz.de von
erstellt am 27.Feb.2015 | 05:33 Uhr

Ein rosa Blaulicht – das hat der Polizeioberkommissar statt Uniform mitgebracht. Unter diesem Motto stand auch der Abend im Kieler Ratssaal, zu dem der Rat für Kriminalitätsverhütung eingeladen hatte. Florian Meerheim, 34 Jahre alt, arbeitet im Streifendienst. Aber das Blaulicht auf seinem „Peterwagen“ leuchtet klassisch blau. In rosa steht es als augenzwinkerndes Symbol für seine Homosexualität und die Auswirkungen im Dienst. Grundsätzlich seien die positiv, berichtete Meerheim. Aber Gerede hinter seinem Rücken gab es auch, so der selbstbewusste Mann mit dem Kurzhaarschnitt. Das nimmt der 34-Jährige in Kauf. Er wollte schon als kleiner Junge Polizist werden.

Florian Meerheim beschützt die Menschen im kleinen Ort Flörsheim am Main. Mit 20 Jahren trat er in den Polizeidienst ein. Erst sieben Jahre später traute er sich, bei der Arbeit offen über seine Sexualität zu sprechen. Zu groß war die Angst vor Nachteilen. „Man baut ein Lügengerüst auf“, erinnerte er sich. Meerheim fühlte sich immer unwohler. Auch die Arbeitskraft habe gelitten. Irgendwann überwand er sich, wollte seinen neuen Freund und heutigen Lebenspartner nicht verstecken. „Ich habe mich aber erst nach einer Beförderung geoutet“, gab Meerheim zu. Seitdem fühle er sich freier. Kollegen, mit denen er auch privat zu tun hat, „gehen allerdings im Dienst auf Distanz“. Es könnten ja Gerüchte entstehen.

Im Dienst nutzt der Oberkommissar sein Nebenamt als Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen im Polizeipräsidium Westhessen auch für die Ermittlungsarbeit. Beispielsweise bei einer Mordserie an schwulen Männern, wo Zeugen aus der Szene sich anonym melden konnten. In Schleswig-Holstein gibt es ein solches Amt nicht. Die Gleichstellungsbeauftragte der Landespolizei, Swantje Möllhoff, will sich nun die Initiative für schwule und lesbische Ansprechpartner „auf die Fahnen schreiben und den Polizeipräsidenten dafür sensibilisieren“.

Die im Publikum sitzende transsexuelle Kriminalhauptkommissarin im Kieler Landeskriminalamt, Svenja Kühnke (53), hatte aber auch Lob übrig: „Ich bin stolz auf unsere Polizei“. Sie habe sich vor zehn Jahren geoutet, nachdem sie lange als männlicher Kommissar gearbeitet hatte – verheiratet, mit fünf Kindern. „Ich habe sehr viel Zuspruch erfahren, fühle mich nicht benachteiligt“, so Kühnke. Gleichwohl kennt auch sie Gerede. „Schande für die Polizei“, hörte sie mal. Und fühlte sich schlecht, sagte die Polizistin. Den Schritt, sich zu outen, hat sie dennoch nie bereut.

In Deutschland gibt es laut Meerheim rund 260  000 Polizisten. Etwa jeder zehnte, so Schätzungen, sind homosexuell.

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