#Kielweltoffen : Mehr als 10.000 Kieler gehen gegen Pegida auf die Straße

Ende Januar demonstrierten in Kiel Tausende gegen Pegida.
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Ende Januar demonstrierten in Kiel Tausende gegen Pegida.

Kiel setzt ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit. Das Bündnis „Das ist unsere Stadt – die Kiel Region ist weltoffen“ hatte zum Protestzug aufgerufen.

shz.de von
28. Januar 2015, 10:45 Uhr

Kiel | Tausende Menschen haben am Dienstagabend in Kiel für Demokratie und Toleranz demonstriert. Die Veranstalter sprachen von weit mehr als 10.000 Teilnehmern, die Polizei von rund 11.000. Zu dem Marsch durch die Innenstadt hatte das von mehr als 100 Organisationen unterstützte Bündnis „Das ist unsere Stadt - die Kiel Region ist weltoffen!“. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD), Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), SPD-Vize Ralf Stegner, mehrere Landtagsabgeordnete sowie Vertreter der jüdischen und der türkischen Gemeinde nahmen daran teil. Nach Polizeiangaben verlief alles ruhig und friedlich.

Albig betonte zum Auftakt auf dem Wilhelmplatz: „Wir setzen heute gemeinsam ein starkes Zeichen - ein Zeichen gegen Rassismus, gegen Dummheit und gegen Hass.“ Mit Blick auf die islamkritische Pegida-Bewegung fügte er hinzu: „Wir wissen, wohin diese Demos führen. Wir haben das schon einmal gesehen. Sie führen nach Solingen, nach Rostock und nach Mölln.“ Rassismus komme immer durch die Hintertür.

Eine Veranstaltung „Shegida“ hat es im Norden nach Angaben des Innenministeriums bislang nicht gegeben. Konkrete Hinweise auf bevorstehende Aktivitäten gebe es zwar nicht, kurzfristig geplante Aktionen seien jedoch nicht auszuschließen.

Das Kieler Bündnis hatte sich nach den Terroranschlägen von Paris auf Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gebildet. Ihm gehören etwa Parteien, Kirchen und die Türkische Gemeinde an. Es richtet sich auch direkt gegen die Pegida-Bewegung. Auf Facebook hatten die Veranstalter zuvor als Ziel ausgegeben, „ein starkes Zeichen gegen Menschenhass, rechte Stimmungsmache und rassistische Spinner“ setzen zu wollen.„Heute bin ich ganz stolz auf die Kieler“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Er hoffe, von der am Dienstagabend gezeigten Leidenschaft und dem Zusammenhalt viel in den Alltag rüberzuretten. „Dann werden wir uns über sowas wie Pegida in Kiel und in Schleswig-Holstein auch keine Sorgen machen müssen.“

Der DGB-Vorsitzende der Region Kiel, Frank Hornschu, betonte: „Die Kiel-Region ist und bleibt weltoffen.“ Die islamkritische Pegida-Bewegung hat in Schleswig-Holstein bislang offenkundig nicht Fuß gefasst. Zwar rechnet ihr der Verfassungsschutz mehr als ein halbes Dutzend virtueller Gruppen zu. Von den mehreren hundert Mitgliedern sollen aber nur wenige aktiv sein. Gruppen wie Shegida sind nach Einschätzung der Verfassungsschützer von Rechtsextremisten instrumentalisiert oder deutlich erkennbar gesteuert. Eine verfassungsfeindliche Motivation der meisten Nachahmer liege auf der Hand.

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