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Kiel

22. Oktober 2017 | 05:54 Uhr

Meerespreis für Ranga Yogeshwar

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Physiker, Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator erhält Auszeichnung vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Kiel | September 2011, Fjord vor Trondheim, 200 Meter Tiefe: Fasziniert blickt Ranga Yogeshwar aus dem großen Frontfenster des Tauchbootes "Jago". Vor ihm liegt die für ihn bisher unbekannte Welt der Kaltwasserkorallen. Filigrane Korallenstöcke von weiß bis rot erstrahlen im Scheinwerferlicht des Unterwasserfahrzeugs des Geomar. Die Eindrücke, die er auf seinem Tauchgang sammeln konnte, präsentierte Ranga Yogeshwar in seiner Fernsehsendung "Quarks & Co".

Mai 2013, Geomar Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung in Kiel, Ostufer: Yogeshwar und Tauchboot "Jago" sind wieder vereint. Diesmal steht der Physiker, Wissenschaftsjournalist und TV-Moderator im feinen Anzug vor dem skurrilen Gefährt. Er ist auch nicht zum Forschen in die Landeshauptstadt gekommen. Die Scheinwerfer sind stattdessen auf ihn gerichtet. Denn gestern erhielt Yogeshwar den Meerespreis 2013 vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und der Deutschen Bank - und hatte damit nur drei Tage nach seinem 54. Geburtstag erneut einen Grund zum Feiern. "Das ist eine schöne Anerkennung, die ich aber nur symbolisch für alle meine Kollegen entgegennehme, die mit mir an den Sendungen arbeiten", erklärte Yogeshwar.

Dem gebürtigen Luxemburger wurde die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung in Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet der Wissenschaftskommunikation verliehen. Denn Neues entdecken, verstehen und auch komplizierte Dinge einfach erklären, das ist sein Metier. In seinen Fernsehbeiträgen, zu denen auch "Die große Show der Naturwunder" und "Wissen vor 8" gehören, beleuchtet er naturwissenschaftliche Themen aus verschiedensten, teils ungewöhnlichen Blickwinkeln und vermittelt die zum Teil komplexen Zusammenhänge einem breiten Publikum auf verständliche Weise. "Das ist keine Gabe, die mir in die Wiege gelegt wurde. Man muss den Mut haben zu priorisieren und Unwichtiges wegzulassen, um dann das Wichtige verständlich zu machen", sagte Yogeshwar.

Der Preisträger habe eine ungewöhnliche Gabe, betonte Geomar-Direktor Prof. Peter Herzig. Als Physiker bringe er zum einen die Fähigkeit mit, komplexe Sachverhalte zu verstehen. Zum anderen sei er, anders als viele Wissenschaftler, in der Lage, diese mit einfachen Worten und Beispielen zu erklären. "Gerade im Bereich der Meeresforschung erfahren wir jeden Tag wieder, dass physikalische, chemische, biologische und geologische Prozesse eng miteinander verknüpft sind. Diese zu durchdringen, stellt bereits eine große Herausforderung dar. Ranga Yogeshwar geht hier noch einen Schritt weiter und übersetzt diese Zusammenhänge in verständliche Sprache. Für diese außergewöhnliche Leistung verleihen wir ihm mit großer Freude den diesjährigen Meerespreis", sagte Herzig.

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung der Meeresforschung für Schleswig-Holstein und betonte: "Ranga Yogeshwar macht uns klüger und schafft es dabei, Wissen spannend und unterhaltsam zu vermitteln. Es ist enorm wichtig, möglichst viele Menschen für die Schutzwürdigkeit der Meere zu sensibilisieren."

Der bekannte Klimaforscher Professor Mojib Latif hob in seiner Laudatio ferner Yogeshwars Bestreben hervor, immer wieder eindringlich und gleichzeitig verständlich, aber stets exakt in der wissenschaftlichen Beweisführung, auf die Folgen von Umweltveränderungen im größten Ökosystem der Erde, dem Meer, hinzuweisen. "Das ist äußerst schwierig, aber von elementarer Bedeutung, denn wir müssen diesen Planeten auch für künftige Generationen in einem lebenswerten Zustand erhalten", sagte Latif.

Für die Deutsche Bank würdigte Christian Maaß, verantwortlich für die Geschäftskunden in Kiel, den Preisträger: "Er begeistert gerade auch viele junge Menschen für die spannende Welt der Wissenschaft. Mit seinem beeindruckenden kommunikativen Talent und persönlichen Engagement führt er uns immer wieder vor Augen, wie wertvoll und gleichzeitig gefährdet die Meere sind."

Noch am frühen Nachmittag hatte Yogeshwar vor rund 80 Studenten bei einem "Meet the Expert" eine Art Vorlesung gehalten, in der zur Veranschaulichung unter anderem der Dienstwagen des Geomar-Direktors auf unterhaltsame Art und Weise eines zu hohen CO2-Ausstoßes bezichtigt wurde. Peter Herzig nahm es mit Humor und freute sich über den Stellenwert des Meerespreises: "Er hat in den vergangenen Jahren zunehmende Bedeutung erlangt und ist damit zur wichtigsten Auszeichnung auf dem Gebiet der Meeresforschung in Deutschland geworden." Am Abend ging es für Yogeshwar weiter Richtung Kieler Schloss, wo er mit seiner Lesung "Ach so & Sonst noch Fragen" seinen Kiel-Besuch abrundete.

Der Meerespreis wird seit 2009 jährlich an Persönlichkeiten vergeben, die sich besonders um die Meeresforschung und die Vermittlung von "Meer-Wissen" verdient gemacht haben. Die bisherigen Preisträger sind der Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif, die Meeresbiologin Prof. Dr. Karin Lochte, der Bestsellerautor Frank Schätzing und der Premierminister der Republik Kap Verden José Maria Neves.

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