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Wohnungsbau : Marthas Insel auf der früheren Krim

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Immobilien-Investoren legen zurzeit immer neue Projekte für den Wohnungsbau in der Landeshauptstadt vor. Gleichzeitig hält in der Kieler Ratsversammlung die politische Debatte um die Mietpreisbremse an.

Der Wohnungsbau ist gegenwärtig eines der wichtigsten Felder der Kieler Politik. Mit Sicherheit aber das spannendste Thema, prallen die Vorstellungen der Parteien doch heftig aufeinander. Dies zeigte sich auch am Donnerstagabend in der Ratsversammlung bei der Debatte um die Mietpreisbremse.

Kiel als wachsende Stadt mit guten Perspektiven ist lukrativ für Immobilien-Unternehmen. Wissen die Investoren doch, dass es Abnehmer geben wird für neuen Wohnraum. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass irgendwo der Richtkranz hochgezogen wird. Dabei wirft die Initiative für bezahlbaren Wohnraum der Verwaltung vor, überwiegend teure Apartments – Beispiel Schlossquartier – zu stemmen (wir berichteten).

Doch die Stadt besitzt auch eine lange Liste mit Vorhaben im Bereich des sozialen Wohnungsbaus, wenngleich einige Projekte wie das Groß-Quartier in Meimersdorf oder der Neubau auf dem verwaisten MFG-5-Gelände in Friedrichsort zurzeit noch reine Zukunftsmusik sind. Konkreter ist da schon der Neubau am Ellerbeker Weg in Elmschenhagen-Nord. 60 der 100 nahezu bezugsfertigen Einheiten werden öffentlich gefördert. Und im Anscharpark, wo gleich vier Wohnungsbau-Genossenschaften aktiv sind, wird die Hälfte der 150 Wohnungen dem sozialen Wohnungsbau zugerechnet.

Die Unternehmensgruppe Big Bau feiert in den nächsten Tagen Richtfest mit ihrem Campus-Corner an der Hummelwiese und hat mit dem Projekt „Marthas Insel“ gleich ein neues Kapitel aufgeschlagen. Auf dem Areal in Nähe der Gablenzbrücke stand einst ein Lager mit russischen Kriegsgefangenen, der Name „Krim“ hat sich bis heute für die Brachfläche gehalten. Big will direkt neben den Eisenbahnschienen fünf fünfgeschossige Gebäude hochziehen. Die vorderen drei mit dem schönen Blick auf die Hörn sollen 50 Eigentumswohnungen aufnehmen, in den beiden südlichen Häusern sollen 90 kleine Apartments für Studenten, Pendler und junge Singles entstehen. Und in den beiden größeren Blocks gegenüber sind noch einmal 110 Mini-Wohnungen vorgesehen beziehungsweise 30 bis 40 Wohnungen im Segment des bezahlbaren Wohnraums.

„Wir haben in Kiel eine dramatische Situation – und wir müssen handeln“, verlangte etwa Marcel Schmidt (SSW) in der Ratsversammlung. Es ging nicht allein um den Wohnungsneubau. „Die Mieten steigen auf ein unbezahlbares Niveau“, gaben die Linken als Ergänzung zu Protokoll. Im Bündnis mit der SPD plädierten SSW und Linke dafür, die Mietpreisbremse beizubehalten. Widerstand kam von CDU, Grünen und FDP („weder der richtige Zeitpunkt noch das richtige Mittel“). Gemeinsam setzten sie eine Vertagung durch. Die SPD kommentierte gestern: „In ihrer Hast, die schwarze Ampel im Landeshaus-Jamaika nachzuahmen, haben FDP, Grün und CDU im Rat ihr unsoziales Gesicht gezeigt.“  

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erstellt am 21.Jul.2017 | 18:07 Uhr

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