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Schifffahrtsmuseum : Maritime Dauerausstellung eröffnet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach drei Jahren wurde gestern das sanierte und neugestaltete Schifffahrtsmuseum wieder eröffnet . Heute und morgen ist der Eintritt frei. 800 Exponate zeigen Kiels maritime Facetten als Marine-, Hafen- und Werftenstadt sowie als Stadt des Segelsports. Neu ist das Café.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2014 | 05:38 Uhr

Es riecht nach Farbe – in der frisch restaurierten Fischhalle. Noch werkeln die Handwerker an der Ausstellung des Schiffahrtsmuseums, letzte Glasvitrinen werden geputzt, Tassen und Gläser im neuen Café „Der alte Mann“ an ihren Platz gerückt. Gestern Abend wurde nach mehr als drei Jahren das Kieler Schifffahrtsmuseum feierlich eröffnet.

Museumsdirektorin Dr. Doris Tillmann ist zufrieden mit dem Ergebnis: „Ich bin begeistert. So etwas macht man im Leben nur einmal.“ Schlaflose Nächte und viel Kopfzerbrechen haben ihr die Umbauarbeiten bereitet, denn es lief nicht immer alles nach Plan. Bei der Sanierung der 1910 errichteten Fischauktionshalle – damals die modernste ihrer Art – wurde klar, dass Bausünden vergangener Jahrzehnte schwerwiegender waren als gedacht. So mussten die flachen Anbauten auf insgesamt 24 Betonpfählen neu abgestützt werden. Im Außenbereich wurden die Figuren aus Main-Sandstein erneuert, fehlende Teile nachgebildet. Die Kosten für die Sanierung und den Umbau belaufen sich auf rund zwei Millionen, 250 000 Euro gab der Förderverein des Museums und rund 500 000 Euro das Land dazu.

Was erwartet die Besucher? Im Gegensatz zu früher wirkt die Halle jetzt hell und freundlich. Auf den ersten Blick muss sich der Besucher orientieren: Trennwände, Exponate, Schiffe und riesige Transparente von der Decke. Letztere zeigen bedeutende Stadtpersönlichkeiten wie Prinz Heinrich und Max Planck und Stadtgründer Adolf IV., deren Geschichte an verschiedenen Sitzbänken per Knopfdruck zu hören ist. Zu den Trennwänden erklärt Tillmann: „Es gibt in so einer Halle ein gestalterisches Problem. Wie behält man den Durchblick, sodass die Architektur noch wirken und man trotzdem so viel wie möglich präsentieren kann.“ Gemeinsam mit einer Ausstellungsagentur entschied sie sich für „Insellösungen“. Vier große Themeninseln zeigen Kiel als Stadt der Marine, des Schiffbaus, der Häfen und des Segelsports. In den einzelnen Nischen sind Exponate und Gemälde zu Sonderthemen wie Kiel zur Kaiserzeit, Marinemalerei, Matrosenaufstand oder historisches nautisches Gerät zu sehen. Die Geräte stehen in einer Glasnische zum Wasser, sodass kleine und große Besucher mit Blick auf die Kogge und die Werft Kapitän spielen und an Steuer und Technik drehen können.

In einer Kinderecke können verschiedene Netzarten gefühlt, Knoten geübt und maritime Rätsel mit allen Sinnen gelöst werden. Außerdem ist eine Schatzsuche für kleine Besucher geplant. „Kleine Matrosen bekommen einen Seesack mit einer Karte, einem Kompass und einem Fernglas und können anhand der Aufgaben die Ausstellung spielerisch erkunden“, erklärt Museumspädagogin Yvonne Danker.

Auch Klassiker wie der Zwölf-Tonnen-Schiffsmotor und die verrostete Mittelsektion des in Kiel gebauten Mini-U-Bootes „Seehund“ sind in der neuen Dauerausstellung des Museums zu sehen. Insgesamt 800 Exponate und mehr als 1000 Bilder an den digitalen Stationen sind im Museum zu sehen . Tillmann: „Es sind nur rund fünf bis zehn Prozent unserer Sammlung, die wir hier auf 700 Quadratmetern präsentieren können. Der Rest ist im Depot und wird für Sonderthemen im Warleberger Hof gezeigt.“ Die Ausstellung ist derzeit in Deutsch und Englisch zu erleben, Audioführungen in weiteren Sprachen sind geplant. Für Kreuzfahrer mit viel Gepäck gibt es zahlreiche Schließfächer.

Als echter Zugewinn soll sich das Café „Der alte Mann“ erweisen, betrieben von Igor Hinnekeuser und Jens Lause, die auch für den Weltruf und das Exlex verantwortlich sind. Hinnekeuser: „Mehr Blick auf Kiel geht nicht: Kreuzfahrer, Wasser, Werft und Museumsschiffe direkt vor der Tür“, freut sich Hinnekeuser über die einmalige Lage direkt am Wasser. 120 Quadratmeter Außenbereich und Innen Platz für rund 50 Gäste – auch außerhalb der Museumszeiten. Neben Kaffeespezialitäten und Kuchen ist ein Mittagstisch und eine kleine Abendkarte mit regionalen Produkten geplant.

Schifffahrtsmuseum: Daten und Aktionen

Die einstige Fischhalle (1909/10 erbaut) diente nach dem Zweiten Weltkrieg als Getreidelager, stand dann lange leer und sollte in den 60er Jahren einem Parkhaus weichen. Auf Intervention des Denkmalschutzes blieb das Gebäude stehen; 1978 zog das Schifffahrtsmuseum ein. Tag der offenen Tür: Aufgrund der Wiedereröffnung ist heute und morgen von 10 bis 18 Uhr für alle Besucher der Eintritt frei. Außerdem ist heute Abend speziell für die über 1000 Twitter-Follower des Schiffffahrtsmuseums eine Sonderführung ab 18.30 Uhr geplant. Julia Liedtke, zuständige Mitarbeiterin des Museums für den Twitter-Account, führt die Gruppe durch die aufwändig sanierte Fischhalle. Voraussetzung für die Teilnahme an der Sonderführung sind ein Smartphone oder Tablet sowie ein Benutzerkonto bei Twitter, denn es ist ausdrücklich erwünscht, dass auch aus der Fischhalle heraus getwittert wird, sodass Nichtanwesende die Führung verfolgen können. Ab Montag kostet der Besuch im Museum pro Person drei Euro, für angemeldete Gruppen pro Person einen Euro (Anmeldung unter 0431/90 13 488).

Infos zum Café „Der alte Mann“ unter www.deraltemann-kiel.de

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