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Höhepunkt der Kieler Woche : Magie trotz Regen bei der Windjammerparade

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Die Windjammerparade auf der Kieler Förde bleibt ein maritimer Traum. Bei den Zuschauern fordert das Wetter aber seinen Tribut. 

Kiel | Regen prasselt aufs Deck, der Wind bläst direkt von vorn, aber die „Thor Heyerdahl“ setzt am Samstag in der Kieler Förde dennoch alle Segel. Schließlich ist der Dreimaster das Flaggschiff der diesjährigen Kieler Windjammerparade mit mehr als 100 Schiffen, viele Groß- und Traditionssegler, aber auch Dampfschiffe und Begleitfahrzeuge. Am Steuerrad steht eingehüllt in Regenzeug Ruth Merk (48). Die Lehrerin und Dozentin aus Bayern, die seit zehn Jahren im Norden lebt und zur Stammbesatzung gehört, hält den Kurs.

Schmuddeliges Segelwetter auf der Kieler Förde.
Schmuddeliges Segelwetter auf der Kieler Förde. Foto: dpa
 

Die „Thor Heyerdahl“ ist ein pädagogisches Schulschiff und wird von einem Verein betrieben, bereits 35.000 Kinder und Jugendliche lernten hier schon auf Törns rund um den Globus Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftssinn. „Du kannst nichts allein auf solch einem Segelschiff erreichen, sondern bist aufs Team angewiesen“, sagt Merk.

Steuerfrau Ruth Merk.
Steuerfrau Ruth Merk. Foto: dpa
 

Unter dem Sonnensegel, das diesmal als Regenschutz über dem Mitteldeck dient, genießt Vizeadmiral Andreas Krause die Ostseetour. Nein, sagt der Inspekteur der Marine, solch eine Fahrt wird nie zur Routine. „Segeln weckt immer Emotionen.“

Eigentlich eröffnet die „Gorch Fock“ immer die Parade, aber das Segelschulschiff der Marine wird zurzeit für 20 Millionen Euro überholt und erhält drei neue Masten. Die Zukunft der „Gorch Fock“, auf der die angehenden Offiziere neben seemännischen Können auch Zusammenhalt und Teamgeist lernen, sei damit auf viele Jahre gesichert. Die Besatzungen der „Gorch Fock“ und „Thor Heyerdahl“ kennen sich gut, man ist befreundet. Schon 2007 hatte die mehrfach umgebaute „Thor Heyerdahl“ die „Gorch Fock“ vertreten.

Die „Thor Heyerdahl“ auf der Kieler Förde.
Die „Thor Heyerdahl“ auf der Kieler Förde. Foto: dpa
 

Punkt 11 Uhr, auf Höhe der Kiel-Holtenauer Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals, lässt der Paradedirektor Stefan Borowski zwischen zwei Tonnen als Startlinie das Typhon als Startsignal ertönen. „Wir wünschen eine gute und vor allem sichere Windjammerparade“, hatte zuvor die Einsatzzentrale durchgefunkt.

Tapfere Zuschauer trotzen dem Regen.
Tapfere Zuschauer trotzen dem Regen. Foto: dpa
 

In sechs Kolonen folgen die mehr als 100 Schiffe, die Reihenfolge ist genau festgelegt. Zu den Hinguckern gehören der norwegische Dreimaster „Christian Radich“ mit Vollschiff-Takelage, der Viermast-Gaffelschoner „Santa Maria Manuela“ aus Portugal, der niederländische Zweimast-Toppsegler „Wylde Swan“ und der Zweimaster „Roald Amundsen“ aus Eckernförde. Segel gesetzt haben die „Twister“ und auch die „Mercedes“.

Wie Delphine begleiten Schlauchboote und kleine Sportboote das Führungsschiff, oft nur mit wenigen Metern Abstand. „Das ist in Ordnung“, beruhigt Borowski, der schon einige Windjammerparaden mitgemacht hat. Schiffskollisionen hat er noch nicht erleben müssen. „Aber es gab schon einige brenzlige Situationen.“

Nach etwa gut fünf Seemeilen bei Laboe mit dem berühmten Marine-Ehrenmal ist die Parade offiziell zu Ende, Tonne vier und Tonne fünf bilden die Ziellinie. Die Schiffe müssen aber alle noch eine gute Strecke weiter gerade aus fahren, damit es zu keinen gefährlichen Situationen kommt.

Tausende Menschen säumen nach Angaben der Wasserschutzpolizei die Ufer, die Anleger in Falkenstein oder bei Laboe sind mit hunderten Zuschauern überfüllt, ebenfalls die „Hamburg“, ein moderner Ausflugsdampfer von der Elbmetropole. Vergangenes Jahr kamen 120.000 Zuschauer. „Diesmal sind es wegen des Wetters weniger“, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Auch aus der Politik ist es einer weniger: Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hat wegen einer Erkältung kurzfristig abgesagt.

Der Regen kann Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) die gute Laune nicht erschüttern. „Weniger als Sturm ist gutes Wetter - machen wir die Sache rund“, sagt beim Start. Später - Laboe ist schon in Sicht - freut er sich aber auch, als der Regen eine Pause macht.

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erstellt am 25.Jun.2016 | 15:09 Uhr

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