Special Olympics in Kiel : Lüneburger Leichtathletin Finja Novotny im Interview

Finja (links) und Petra Novotny sind aus Lüneburg für die Special Olympics nach Kiel gekommen.
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Finja (links) und Petra Novotny sind aus Lüneburg für die Special Olympics nach Kiel gekommen.

Die 17-jährige Athletin und ihre Mutter sprechen über ihre persönlichen Erfahrungen bei dem Wettbewerb.

shz.de von
17. Mai 2018, 11:24 Uhr

Kiel | Finja Novotny (17) ist mit ihrer Mutter Petra und ihren Mitschülern aus Lüneburg angereist, um in der Leichtathletik bei den Special Olympics in Kiel anzutreten. Während sie die Siegerehrung von Mitschülern besuchen, trifft der sh:z die beiden, um über ihre persönliche Erfahrung zu reden.

Zuerst an Finja: Wie lange machen Sie schon Leichtathletik und wann haben Sie sich entschlossen, an den Special Olympics teilzunehmen?

Seit vier bis fünf Jahren. Mir macht es Spaß teilzunehmen und Medaillen abzuräumen.

Wie gehen Sie damit um, wenn die Zuschauer Sie so laut anfeuern? Macht Sie das eher nervös oder freuen Sie sich?

Nö, das freut mich!

Was ist denn Ihr Lieblingsteil bei den Special Olympics?

Dass man einen überholt und gewinnt.

Wie lange bereiten Sie sich denn auf die Special Olympics vor, ist das Training vorher sehr intensiv?

Wir machen uns halt warm und dann laufen wir.

Was war bis jetzt der schönste Moment im Sport für Sie?

Leichtathletik, besonders Laufen immer. Das gibt ein schönes Gefühl.

Sehen Sie die anderen Athleten eher als Freunde oder Gegner?

Gegner!

Welche andere Sportart würden Sie nochmal ausprobieren wollen?

Tennis, weil ich noch nie Tennis gespielt habe und das versuchen will. Fußball spiele ich zum Beispiel auch sehr gerne.

Frau Novotny, Sie sind wahrscheinlich sehr stolz auf Ihre Tochter. Was war denn Ihr Gefühl, als sie sich für die Special Olympics angemeldet hat?

Finja macht jetzt bei den Special Olympics schon das fünfte oder sechste Mal mit. Sie hat an den Winterspielen teilgenommen. Die Schule am Knieberg ist in dem Bereich sehr aktiv und bietet eine AG an, um sich vorzubereiten. Wir haben Finja von vornherein dazu gebracht, mitzumachen, weil das für Menschen mit Behinderungen nicht so häufig ist, dass sie so ein Erfolgserlebnis haben, wie wir es kennen.

Wenn Finja doch mal nervös wird, wie unterstützen Sie sie dann am besten?

Ich mache ihr einfach immer wieder Mut und sage ihr, dass es letzten Endes ja auch nicht wirklich um etwas geht, sondern ausschließlich um den Spaß.

Was ist der Lieblingspunkt im Rahmenprogramm für Sie?

Ich finde den Gesundheitsbereich (Healthy Athletes), wo die Jugendlichen verschiedene Punkte ablaufen können gut und Finja mag das auch gerne. Da kann man den Blutdruck messen und ähnliche Untersuchungen von Ärzten durchführen lassen. Ich persönlich finde, dass es sich hierbei um eine ganz tolle Aktion handelt.

Worin sehen Sie den größten Unterschied zwischen den Special Olympics und anderen Wettbewerben?

Ich finde, dass hier eine unglaublich schöne Atmosphäre herrscht. Finja hat noch drei Geschwister und daher kenne ich auch die „normalen“ Sportwettbewerbe, wo es sehr viel Ehrgeiz und Konkurrenz gibt, auch unter den Eltern. „Meiner ist der Tollste, Schönste, Größte, Schnellste“ und das gibt es hier überhaupt nicht. Jeder gönnt dem anderen alles und Finja hat sich über den achten, also letzten, Platz beim 100-Meter- Lauf genauso gefreut, als wenn sie eine Goldmedaille gewonnen hätte. Und das ist so großartig und auch einzigartig hier.

Ist es Ihnen wichtig, dass Finja eine Medaille mit nach Hause bringt?

Für mich gar nicht. Aber Finja kriegt natürlich schon gerne eine Medaille und das freut mich dann für sie, wenn sie es schafft. Aber für mich persönlich ist das überhaupt nicht relevant.

Was ist das Bedeutendste, das in Finjas Sportlerkarriere passiert ist? Welcher Moment sticht heraus?

Mir fällt so spontan kein spezieller Moment ein. Es ist einfach die Gesamtheit ihrer sportlichen Leistungen.

Wenn es dann doch mal der achte Platz ist, wie gehen Sie als Mutter damit um? Müssen Sie Finja trösten?

Eigentlich nicht. Die Freude ist genauso groß bei allen. Man freut sich und lobt genauso viel. Finja hatte sich beim Laufen furchtbar geärgert. „Warum haben die mich überholt?!“ Da hat man schon gemerkt, dass sie im ersten Moment ziemlich enttäuscht war, aber sie hat sich immerhin hierfür qualifiziert. Das allein schon ist ja schon toll und großartig.

Die Autoren dieses Interviews sind Studenten der Christian-Albrechts-Universität und berichten für uns von den Special Olympics.

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