Regionalbahn : Lob und Tadel für die neue Haltestelle

Nach mehr als 30 Jahren erneuert: Der Bahn-Haltepunkt Kiel-Russee – gestern Mittag mit dem Regionalexpress nach Husum
Foto:
1 von 3
Nach mehr als 30 Jahren erneuert: Der Bahn-Haltepunkt Kiel-Russee – gestern Mittag mit dem Regionalexpress nach Husum

Kiel-Russee ist jetzt wieder an die Zug-Strecke Kiel-Rendsburg angedockt – die Bahnfahrer freut’s. Doch es gibt auch Kritik: Noch fehlen behindertengerechte Bordsteinkanten und Fahrradunterstände.

shz.de von
05. Januar 2015, 06:06 Uhr

Es ist mehr als hundert Jahre her, dass in der Gemeinde Russee erstmals ein Zug hielt. Im Juni 1905 war die Premiere. Damals gab es sogar ein eigenes Bahnhofsgebäude und einen Bahnhofsvorsteher. 1981 wurde das Gleis zurückgebaut. Nach der jahrzehntelangen Pause wird die Anbindung des heute zur Landeshauptstadt Kiel gehörenden Stadtteils wieder aktiviert. Gestern startete um 11.43 Uhr ein Sonderzug der Regionalbahn, die nun stündlich auf der Strecke zwischen Kiel und Rendsburg auch in Russee hält. Gestern wurden die vier weiteren neuen Haltepunkte (Schülldorf, Bredenbek, Achterwehr, Melsdorf) ebenfalls feierlich eröffnet.

In Russee waren rund 200 Gäste bei strahlendem Sonnenschein zu der Feier gekommen, begrüßten den roten Regionalbahn-Zug mit Punsch, Grillwürstchen und Musik. Viele Kieler freuen sich über die schnelle Verbindung zum Hauptbahnhof. Doch gemeckert wurde auch. Bürgermeister und Baudezernent Peter Todeskino (Grüne), der selbst im Kieler Stadtteil Russee lebt, wurde mit Forderungen nach der noch nicht hergestellten Barrierefreiheit und einer Umgestaltung des Vorplatzes in Empfang genommen.

110 Jahre nach der Zug-Premiere in Russee gibt es kein Personal mehr vor Ort. Der Unterstand bietet nur wenigen Wartenden Unterschlupf bei schlechtem Wetter. Dennoch sind sich die Kieler einig: Dieser Haltepunkt ist eine Bereicherung für den Stadtteil. „Innerhalb von neun Minuten bin ich am Kieler Hauptbahnhof“, freute sich Waltraud Krüger. „Das ist ein Gewinn.“ Mit dem Bus benötige sie etwa 20 Minuten. Einen weiteren Vorteil sieht sie in der direkteren Verbindung nach Rendsburg: Sie muss nun nicht mehr den Umweg über den Kieler Hauptbahnhof nehmen, der in entgegengesetzter Richtung liegt. Trotz Krücken und Gips-Fuß war auch Gudrun Stange mit Partner zum Fest gekommen. Sie lebte früher in Felde, verbringt am Wochenende viel Zeit rund um den Westensee. Die neue Regionalbahn-Verbindung kommt dem Paar sehr gelegen. Die mangelnde Barrierefreiheit allerdings „geht gar nicht“, kritisierte Gudrun Stange. „Das muss schnellstens geändert werden.“

Der Vorsitzende des städtischen Beirats für Menschen mit Behinderung, Eckehard Raupach, hatte der Stadt vorgeworfen, dass der Bahnhaltepunkt für Rollstuhlfahrer praktisch nicht erreichbar sei. Die Stadt Kiel hat bereits auf die Vorwürfe reagiert, gesteht Fehler ein. Bürgermeister und Baudezernent Peter Todeskino: „Wir müssen das selbstkritisch auf unsere Kappe nehmen, dass es noch nicht funktioniert.“ Mit dem Tiefbauamt werde er dazu ein ernstes Gespräch führen. Noch im Januar, versprach Todeskino, werde es behindertengerechte Bordsteine auf der Zuwegung zum Bahnsteig geben. Die vergleichsweise kleinen Arbeiten „mit Bordmitteln“ sind allerdings nach Auskunft der Stadt noch nicht der Auftakt der vom Tiefbauamt geplanten umfangreichen Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes. Denn dafür fehlen noch die Haushaltsmittel.

Bürgermeister Todeskino gestand ein, dass die Pläne für das rund 400  000 Euro teure Projekt bereits fertig in der Schublade liegen. Es geht dabei um Grünanlagen, Beleuchtung und überdachte Fahrradabstellmöglichkeiten. An eine Verwirklichung sei im Haushaltsplan aber erst im Jahr 2019 zu denken. Übergangslösungen für Fahrräder seien im Gespräch. Todeskino: „Wir müssen Prioritäten setzen. Der Haltepunkt ist zwar provisorisch, aber funktionsfähig.“

zur Startseite
Karte

Kommentare

Leserkommentare anzeigen