zur Navigation springen

Raubmord in Kiel : Linde Perrey – Polizei hat noch keine heiße Spur

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Mittlerweile weiß man, dass „persönliche Gegenstände“ aus der Wohnung der getöteten Rentnerin Linde Perrey fehlen. Die Polizei geht deshalb von einem Raubmord aus.

shz.de von
erstellt am 20.Jun.2016 | 18:30 Uhr

Auf der Suche nach dem Täter/den Tätern im Mordfall Linde Perrey im Kieler Stadtteil Schreventeich tappen die Ermittler weiterhin im Dunkeln. Gestern veröffentlichte die Polizei ein Porträtbild der getöteten Rentnerin – in der Hoffnung auf Hinweise von Zeugen. Offenbar verdichten sich aber die Hinweise auf einen Raubmord. Es sollen „persönliche Gegenstände“ fehlen, wie die Polizei vorsichtig formulierte.

Viele Schilder der Klingelwand sind mit neuen Namen überklebt, die Polster der drei Schalensitze am Eingang sind eingerissen, die Sockelleiste ist stark beschädigt. Das Haus an der Dehnckestraße 1B im Stadtteil Schreventeich hat schon bessere Tage gesehen. Ausgerechnet hier fand ein Raubmord statt? Dass ein Fremder sich die wehrlose 72-Jährige als zufälliges Opfer ausgesucht hat, gilt als unwahrscheinlich. Vielleicht ist der Täter im Umfeld der Rentnerin zu suchen? Dazu passt die Aussage einer Nachbarin. Sie hat gesehen, dass die Ermittler Speichelproben von Männern im Haus genommen haben. Die Polizei wollte diese Beobachtung nicht kommentieren.

Insgesamt 78 Wohnungen gibt es im sechsgeschossigen Haus. Es gehört zu einer Wohnanlage, die die damals städtische KWG (Kieler Wohnungsbau-Gesellschaft) vor 40 Jahren auf dem „Obstmuttergarten“ an der Grenze zu Kronshagen hochgezogen hat. Das Haus an der Dehnckestraße 1  B bot anfangs Senioren eine altersgerechte Residenz. Doch im Zuge der Turbulenzen um die KWG – die heute zur Annington-Gruppe gehört – zogen vor zehn Jahren andere Mieter ein. Studenten etwa schätzen die Uni-Nähe und die günstige Miete.

Eine Medizin-Studentin erzählt, dass erst vor vier Wochen ein Rentner in einer anderen Wohnung tot aufgefunden wurde – er allerdings war eines natürlichen Todes gestorben.

Linde Perrey wurde nach Angaben der Polizei zuletzt am Montag, also vor gut einer Woche, lebend gesehen. Die 72-Jährige war zwar schwerhörig und – wegen Gleichgewichtsstörungen nach einem Tinnitus – auf einen Rollator angewiesen. Doch sie hatte einen aufrechten forschen Schritt, wie eine weitere Nachbarin erklärt. Sie hatte offenbar keine Mühe, den Zigarettenautomaten oder die Lidl-Filiale in Kronshagen aufzusuchen.

Von den Verwandten lebt niemand in der Nähe von Kiel. Wenn mal jemand zu Besuch kam, erinnerten Nachbarn die Gäste mitunter an Linde Perreys Schwerhörigkeit – an die Wohnungstür mit dem auffälligen Marmor-Dekor musste man schon kräftig bollern. Hinweise aus der Bevölkerung nimmt die Kieler Polizei unter Tel. 0431/1603333 entgegen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen