Special Olympics : Leichte Wege und leichte Sprache

Auch im olympischen Dorf  auf der Reventlouwiese können achtlos liegen gelassene Gegenstände für Menschen mit Sehbehinderung zu Stolpersteinen werden.
Auch im olympischen Dorf auf der Reventlouwiese können achtlos liegen gelassene Gegenstände für Menschen mit Sehbehinderung zu Stolpersteinen werden.

Für die Betroffenen ist und bleibt Barrierefreiheit ist ein Dauerthema – auch bei den Special Olympics in Kiel. Barrierefreie Wege, leichte Sprache, Bilder auf den Hinweistafeln: Von der gelebten Inklusion können auch Migranten profitieren, die noch kein perfektes Deutsch sprechen. .

shz.de von
17. Mai 2018, 19:21 Uhr

Die Special Olympics haben ihr eigenes kleines olympisches Dorf. Es steht auf der Reventlouwiese an der Kiellinie und erhält starken Zuspruch. Als Ort der Begegnung steht es allen Menschen offen, den Sportlern wie den Besuchern. Angebote wie Yoga oder Akrobatik, aber auch künstlerische Attraktionen oder Musikveranstaltungen gehören zum Tagesprogramm.

Doch ist der Ort auch wirklich barrierefrei? Die Frage hat große Bedeutung für geistig und mehrfach beeinträchtigte Menschen. Bei der ersten Besichtigung entsteht der Eindruck: Die Verantwortlichen haben einen guten Job gemacht. Die Wege sind ebenerdig, es gibt barrierefreie Toiletten und Duschen. Also keinerlei Probleme?

Auch die Offenheit der Kieler gegenüber den Special Olympics und die Umsetzung von Barrierefreiheit ist beispiellos positiv, lobt Wiebke Linnemann, die Leiterin des Veranstaltungsmanagements bei Special Olympics Deutschland (SOD). Von Anfang an zeigten auch die Verantwortlichen der Stadt Kiel, allen voran Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, großes Engagement.

Doch „Barrierefreiheit ist ein Prozess“, macht Wiebke Linnemann ebenfalls deutlich. Es kommt wie so oft auf die Kleinigkeiten an. So liegen auf dem Rasen der Reventlouwiese allerlei „Stolpersteine“ wie etwa Spielzeuge. „Ein Mensch mit Sehbehinderung bekommt hier Probleme“, erklärt Bärbel Brüning von der Lebenshilfe Schleswig-Holstein.

Auch die Wiese selbst hätte bei Regen zur schwierigen Passage werden können. Doch es fehlt schlichtweg am Geld, um sie vollständig mit Brettern auszulegen. Ein weiteres Problem sind die barrierefreien Toiletten. „Sie sind zwar vorhanden, aber ich habe sie zunächst nicht gefunden, weil sie nicht ausgeschildert waren“, bemerkt Patrick aus Trier. Und Marco aus Kiel fehlt es bei einigen wenigen Ständen entlang der Kiellinie an Rampen für Rollstuhlfahrer.

All diese kleinen Probleme gibt es nicht nur im olympischen Dorf, sondern auch bei an den Wettbewerbsstätten wie dem Nordmarksportfeld. Es wird klar: Der Weg, um Großveranstaltungen wie die Special Olympics barrierefrei zu gestalten, ist noch lange nicht zu Ende. Wiebke Linnemann und ihr Team arbeiten mit Hochdruck daran, aus all diesen Kleinigkeiten positive Anreize mitzunehmen. Denn für sie und ihre Kollegen ist das Thema Barrierefreiheit und Inklusion eben auch eine Chance, das Bewusstsein der Gesellschaft zu fördern.

Denn viele Lösungen, die Menschen mit Beeinträchtigung angeboten werden – etwa die Leichte Sprache oder Bilder als Erklärungshilfen –, könnten auch Menschen mit Migrationshintergrund das Leben erleichtern. „Es wäre schön, wenn Inklusion irgendwann zu Integration werden könnte und wir das Wort Inklusion in Zukunft nicht mehr brauchen“, wünscht sich Wiebke Linnemann. * Die Autoren sind Studenten an der Kieler Christian-Albrechts-Universität

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