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Laut und lustig: Eckernförder (19) wird Stadtmeister im Poetry Slam

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erstellt am 10.Aug.2013 | 05:59 Uhr

Kiel | Der neue U-20 Stadtmeister Hinnerk Köhn (19) hat sich gegen sechs andere Slam-Poeten durchgesetzt und das Finale hauchdünn mit nur einem Punkt Vorsprung gewonnen. Bei einem Poetry Slam tragen Künstler maximal sechs Minuten lang selbst geschriebene Texte vor, eine Jury aus dem Publikum verteilt dafür anschließend Punkte.

"In meinem Text bin ich betrunken", warnte Köhn die rund 110 Zuschauer im Roten Salon der "Pumpe" vor. Dann lallte der frisch gebackene Abiturient der Eckernförder Jungmannschule los. Er erzählte, wie er in einer Kneipe nach sechs Cola-Korn auf ein betont schick gekleidetes Pärchen, "aber das Mädchen sah doch sehr doll nach Pferd aus", getroffen war und den beiden pöbelnd den Abend vermiest hatte. "Die Geschichte basiert teilweise auf der Wahrheit", gestand er nach seinem Auftritt. Der Schlipsträger setzte seine Stimme gekonnt ein, gröhlte und schrie einige Passagen seiner Texte. Schon in der Vorrunde hatte er sich bei der Darstellung seines cholerischen Bruders beinahe heiser geschrien. "Die direkte und laute Art meiner Texte gefällt dem Publikum oft", meinte er. Der Sieger des Slams unter der gewohnt souveränen Moderation des in der Slam-Szene allgegenwärtigen Björn Högsdal qualifizierte sich auch für die deutschsprachige U-20 Meisterschaft im Poetry Slam, die dieses Jahr vom 18. bis 21. September in Kiel und Neumünster stattfindet.

Da Köhn sich jedoch letzten Monat schon auf einem anderen Slam qualifiziert hat, wird der zweitplatzierte Paul Vollmers (19) die Landeshauptstadt vertreten. Der Medizinstudent im ersten Semester schwamm mit seinen ernsten Texten und teilweise drastischer Sprache erfolgreich gegen den Trend zu lustigen Texten an. "Alle laufen ohne nachzudenken nur mit ihren Smartphones rum", prangerte er Stumpfheit an. "Ich folge nur dem Gold und den Dollarzeichen", nahm er sich davon selbst nicht aus. Auch Heuchelei in den Medien kritisierte er. Auf Fotos vom Krieg würde die brutale Wahrheit über "Soldaten, die auf Leichen pissen" nicht gezeigt. "Meistens kommen lustige Texte besser an", sagte er überrascht von seiner guten Platzierung. Bei der U-20 Meisterschaft dabei zu sein ist für ihn "eine Riesenehre."

Neben den beiden Siegern zeigten auch andere junge Slammer ihr Können und sorgten mit einer guten Mischung aus ernsten, romantischen und witzigen Texten für einen sehr gelungenen Poetry Slam.

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