Natur : Lars Jöns zieht derzeit drei Kitze groß

Lars Jöhns füttert die  Kitze (hier Max und Kalle) regelmäßig Bio-Ziegenmilch.
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Lars Jöhns füttert die Kitze (hier Max und Kalle) regelmäßig Bio-Ziegenmilch.

Lars Jöns (25) ist Restaurantfahcmann und Jäger in Techelsdorf bei Flintbek. Zusätzlich kümmert er sich gerade um zwei Kitze, weil ein Hund ihre Mutter verkrämte. Ein weiteres Kitz kam hinzu, weil dessen Mutter überfahren wurde.

shz.de von
06. Juni 2014, 04:25 Uhr

Max, Kalle und Philipp sind gerade eineinhalb Wochen alt, niedlich und Stadtkinder würden sofort „Bamby“ zu ihnen sagen. Doch die Kitze, die Lars Jöns (25) derzeit mit Ziegenmilch großzieht sind eigentlich Wildtiere. Jöns, der selbst Jäger ist, macht es gern und zieht nicht zum ersten Mal Rehkitze groß. Bereits 2012 und 2013 hat er insgesamt sechs Kitze aufgezogen und danach in die Natur entlassen. Die Gründe sind immer dieselben und stimmen den Jäger traurig: „Die Menschen wissen eigentlich, dass sie zur Brut- und Setzzeit in Wald und Flur auf den Wegen bleiben und ihre Hunde an der Leine führen sollen. Doch sie halten sich nicht dran.“ Vor eineinhalb Wochen beobachtete sein bekannter Jäger, wie ein freilaufender Hund die gerade geborenen Kitze im Fang hatte. „Sie riechen für die Ricke dann nach Feind, sie nimmt sie nicht mehr an.“ Als der Jäger die Kitze zu Jöns brachte war die Nabelschnur noch feucht, „sie waren gerade erst ein paar Stunden auf der Welt“. Und eine Woche später kam ein drittes Bockkitz hinzu – seine Mutter wurde überfahren. Lars Jöns nimmt sie gern auf und päppelt sie groß, „dazu fühle ich mich als Jäger verpflichtet“, sagt er, der weiß, wie umstritten Jäger im öffentlichen Ansehen sind.

Alle zwei bis drei Stunden füttert er die Kitze, nachts nimmt er sie mit ans Bett. „Sie fiepen, wenn sie Hunger haben, so laut wie ein Wecker.“ Der 25-Jährige hat Glück, dass er als Restaurantfachmann im elterlichen Betrieb mitarbeitet. „Kein anderer Arbeitgeber würde das akzeptieren, wenn man alle zwei Stunden mal kurz zum Füttern weg muss und morgens etwas müde aussieht.“ Seine Kleinen Münsterländer – beides Jagdhündinnen – helfen bei der Aufzucht mit. „Sie lecken sie nach jeder Mahlzeit, wie es auch die Ricke tun würde, das regt die Verdauung an“, erklärt Jöns.

Wenn die drei kleinen Böcke nächstes Jahr den Garten hinterm Dörpsdiek verlassen, werden sie – wie ihre Vorgänger – eine Ohrmarke tragen, damit sie von ihrem Ziehvater und den anderen Jägern erkannt und verschont werden. Lars Jöns: „Es für uns spannend zu sehen, wohin die Tiere ziehen und sich ihr Revier suchen.“ Ganz selten schaut auch noch mal ein ehemaliges Zieh-Kitz bei ihm vorbei.

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