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Rocker-Prozess in Kiel : Lange Haft für Menschenraub bei den „Tigers“

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Fünf Jahre und zwei Monate Gefängnis: So lautet das Urteil für einen Rocker der Tigers, der zusammen mit anderen ein Club-Mitglied auf eine türkische Mülldeponie verschleppte. Der Verurteilte ist untergetaucht.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 12:01 Uhr

Kiel | Für eine Gewalttat unter Rockern muss ein ehemaliger Anführer der Kieler „Tigers“ mehrere Jahre ins Gefängnis. Das Kieler Landgericht verurteilte den 35-jährigen Hauptangeklagten am Mittwoch wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten. Gegen den Mann erging Haftbefehl. Er war kurz vor dem Urteil untergetaucht. Zwei mitangeklagte Rocker sprach das Gericht dagegen überraschend frei. Ihnen habe keine konkrete Tatbeteiligung nachgewiesen werden können, sagte die Vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung.

Das Gericht hält es für erwiesen, dass der 35-Jährige als Haupttäter mit anderen Rockern ein neues Club-Mitglied während eines Türkei-Urlaubs auf eine Müll-Deponie bei Antalya verschleppte. Dort habe er das Opfer massiv bedroht und geschlagen und schließlich rund 30.000 Geld erpresst. Das Geld musste die Frau des Opfers in Deutschland beschaffen und an zwei Boten übergeben, während ihr Mann in der Türkei gefangen gehalten wurde. 

Eigentlich sollte der Prozess schon vor einer Woche zum Abschluss kommen, der Hauptangeklagte erschien aber nicht. Er habe „keine Lust, verurteilt zu werden“, ließ er das Gericht wissen. Sollte er sich abgesetzt haben, kann das Verfahren gegen ihn abgetrennt werden.

Die Schilderungen des 45-jährigen mutmaßlichen Opfers hielt der Staatsanwalt für durchgängig glaubhaft. Er forderte fünf Jahre und  neun Monate Haft für den Hauptangeklagten. Die Verteidigung bezweifelte dagegen die Angaben des mehrfach vorbestraften Mannes. Er soll auch im Kieler Drogenmilieu tätig sein. Vor Gericht hatte der 45-Jährige ausgesagt, dass er nach der Tat unter Angst, Depressionen und sogar Suizid-Gedanken litt. Der sonst dominant auftretende Rocker traute sich demnach monatelang kaum mehr aus dem Haus.

Während der Verteidiger des flüchtigen Hauptangeklagten auf sein Plädoyer verzichtete, weil sich das Gericht bereits auf eine Verurteilung festgelegt habe, beantragten die Verteidiger der beiden Mitangeklagten Freisprüche.

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