Kieler Hafen : Landstrom und Flüssiggas

Erklärte Absicht: Künftig will der Kieler Hafen mehr Güter auf die Schiene setzen.
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Erklärte Absicht: Künftig will der Kieler Hafen mehr Güter auf die Schiene setzen.

Mit mehreren Maßnahmen wollen die Stadt und der Port of Kiel an der Luftreinheit über und neben der Förde arbeiten. Zu den Öko-Projekten gehört auch der verstärkte Transsport über die Schiene. So sll der Schwedenkai ein drittes Rangiergleis erhalten.

shz.de von
30. März 2018, 18:08 Uhr

Die Eckpunkte hatte Hafenchef Dirk Claus schon im August vorgestellt. Jetzt hat er sein Umweltkonzept für den Seehafen in einer 55-seitigen Broschüre unter dem Titel „Blue Port Kiel“ zusammengefasst. Fünf Wochen vor der Kommunalwahl erläuterte Claus gemeinsam mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, wie er den Hafen nachhaltig und zukunftsorientiert aufstellen will.

Es geht um Energieeffizienz, die Reduzierung von Emissionen sowie die Verlagerung von Hinterlandtransporten auf die Schiene. „Wirtschaftliche Stärke und Nachhaltigkeit werden miteinander verknüpft“, sagte Kämpfer. Laut Claus deckt der Hafen seit Jahren seinen Energiebedarf ausschließlich mit Ökostrom – etwa mittels Solaranlagen auf Lagerhallen und Abfertigungsgebäuden. 15 Prozent der Fahrzeugflotte fahren – vom Steuerzahler hochgradig subventioniert – elektrisch.

2017 wurde am Ostseekai Europas modernste Annahmestelle für Schiffsabwässer in Betrieb genommen. Eine weiße Weste hat der Hafen auch bei der Emission, so Claus. Seit 2010 dürfen Schiffe in der Ostsee nur noch schwefelarmen Treibstoff einsetzen, oder sie müssen Abgasreinigungsanlagen installieren. Um die Abgase auch während der Liegezeit zu reduzieren, wird eine erste Landstromanlage errichtet, kündigte Kämpfer an. Diese Pilotanlage entsteht für 1,5 Millionen Euro am Norwegenkai – vorausgesetzt, es gibt eine Befreiung von der EEG-Umlage.

Auch wenn die Kreuzfahrer laut Claus keinen Anteil an der aktuellen Diesel-Problematik mit anhaltender Überschreitung der Schadstoff-Grenzwerte haben, sollen sie während der Liegezeit auf Flüssiggas (LNG) zurückgreifen können. Eine erste LNG-Versorgung ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen, wenn die „Aida Prima“ in Kiel stationiert ist.

Um die Unschuld der Weißen Riesen unter Beweis zu stellen, werden in Kürze wieder Luftqualitätsmessungen im Hafenumfeld durchgeführt. Dubiosen „Handmessungs-Events“ der Umweltschützer misst Claus keine Bedeutung bei. So hatte der Nabu im vergangenen Jahr mit mobilen Messgeräten erhöhte Stickoxid-Werte auf den Kais nachgewiesen. Auch der vom Hafen verursachte Schwerverkehr auf dem belasteten Theodor-Heuss Ring sei mit 0,5 Prozent am Verkehrsaufkommen zu vernachlässigen.

Zur Stärkung der Kombi-Verkehre – 2017 wurden mehr als 30 000 Container und Auflieger auf Güterzüge verladen – werden in Kürze mit Zustimmung des städtischen Umweltamtes am Bahnhofskai 89 Bäume gefällt. Sie machen Platz für eine drittes Rangiergleis für den Schwedenkai machen. Der Hafen will an anderer Stelle Ausgleichsmaßnahmen vornehmen.

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