Verkehrschaos zum Schulstart : Landesverkehrswacht: Mit „Bannmeilen“ gegen Elterntaxis?

Sie verstopfen nicht nur die Straßen, sondern gefährden auch andere Schüler. Aus Kiel gibt es nun einen Vorschlag gegen überfürsorgliche Eltern.

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20. August 2018, 12:07 Uhr

Kiel | Jedes Jahr um die Zeit der Einschulung herum lodert die Diskussion um Eltern, die ihren Nachwuchs bis vor die Schultür fahren, von neuem auf. So freilich auch in diesem Jahr. Wie die „Kieler Nachrichten“ berichten, würde die Landesverkehrswacht Eltern und ihre Vehikel am liebsten komplett aus dem Radius von Schulen verbannen. Ein entsprechender Vorschlag sei bereits mit der Kieler Bildungsdezernentin Renate Treutel besprochen worden, heißt es dort.

Diese „Bannkreise“, so berichtet die Zeitung, sollen dafür sorgen, dass die ABC-Schützen zumindest die letzten 200 bis 300 Meter zur Schule zu Fuß zurücklegen müssen. Denn gerade in den ersten Wochen nach den Sommerferien kommt es vor den Bildungseinrichtungen häufig zu einem veritablen Verkehrschaos. Eltern parken im Halteverbot, auf Zebrastreifen oder halten mitten auf der Straße, um dem Spross den Weg zur Schultür so mühelos wie möglich zu gestalten. Das verärgert nicht nur Anwohner, sondern gefährdet auch jene Schüler, die zu Fuß kommen.

Denn: Wo Elterntaxis vorfahren, wird es für die restliche Schülerschaft schwer, das Chaos zu überblicken. Da werden Übergänge zugeparkt, es wird gefährlich auf der Straße gewendet oder die Sicht auf den Verkehrsfluss versperrt. Diese Eltern „verhalten sich im Verkehr oft selbst rücksichtslos und gefährden damit andere Verkehrsteilnehmer“, klagt Petra Rödler von der Kinderunfallkommission. Dabei gelten „als unsicher empfundene Schulwege“ laut einer ADAC-Studie als Hauptgrund für Eltern, den Nachwuchs zu chauffieren.

Für den Vorstoß der Landesverkehrswacht zeigt man sich zumindest im Bildungsdezernat offen. „Konkrete Schritte zur Umsetzung gab es bislang aber noch keine“, berichtet Verkehrswacht-Vizepräsidentin Elisabeth Pier in den Kieler Nachrichten. Kritisch zeigt sich Stadtsprecher Arne Gloy, der eine Bannmeile im Hinblick auf die Vorschriften der Straßenverkehrsordnung für nicht umsetzbar hält.

Weiterlesen: Warum Kinder zu Fuß in die Schule gehen sollten

Doch wie geht es richtig? Hannelore Herlan von der Deutschen Verkehrswacht rät Eltern, den Schulweg – ob zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln – mit ihren Kindern zu trainieren. Das sorgt nicht nur für Bewegung und Frischluft vor Unterrichtsbeginn sondern gewöhne Kinder auch an eine aktive Teilnahme am Verkehr. Wer stets vom elterlichen Auto vom Treiben auf Fußgängerwegen und Straßen abschirmt wird, habe es später im Leben besonders schwer, sich im Straßenverkehr zurechtzufinden. 

Kurz und knapp: Tipps für den sicheren Schulweg

• Eltern sollten wiederholt mit ihren Kindern den Schulweg üben.

• Beim gemeinsamen Üben des Schulweges werden mögliche Gefahren gezeigt und ausführlich besprochen.

• Nicht immer ist der kürzeste Weg der sicherste. Daher sollten auch kleine Umwege in Kauf genommen werden.

• Eltern sollten im Straßenverkehr ein Vorbild sein und sich an die Verkehrsregeln halten.

• Auch über den ersten Schultag hinaus sollten Eltern ihre Kinder begleiten und später unauffällig kontrollieren, ob die die ABC-Schützen das Gelernte umsetzen.

• Auf das Überqueren der Straße sollte besonders intensiv eingegangen werden, da Kinder Geschwindigkeiten nicht einschätzen können. Beide Straßenseiten müssen überschaubar und frei sein. Das Kind soll nie schräg über die Straße gehen, sondern den kürzesten Weg wählen und Ampeln, Fußgängerüberwege und Markierungen nutzen.

• Vorsicht gilt auch an Bushaltestellen. Kinder sollten lernen, niemals vor oder hinter einem haltenden Bus über die Straße zu laufen.

• Hektik muss vermieden werden. Impulsives Verhalten und Zeitnot kann etwa beim Überqueren von Straßen zu unvorsichtigen Verhalten führen.

• Jacken und Ranzen mit reflektierenden Stellen sind von Vorteil. Bei Kapuzen und Schals sollte darauf geachtet werden, dass sich nicht die Sicht blockieren.

In Kiel wird man auch in diesem Jahr ein Auge auf das Problem haben: Mit vermehrten Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt rund um die Einschulungstage im Bereich der Schulen.

(Mit Material der dpa)

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