Bevor ich sterbe . . . : Kunst zum Nachdenken auf der Kiellinie

Bevor ich sterbe: Stifterin Ingrid von Hänisch (links), Ministerpräsident Torsten Albig und Anne Münchmeier von der Hospiz-Initiative schrieben als erste ihre Gedanken auf die schwarze Tafel.
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Bevor ich sterbe: Stifterin Ingrid von Hänisch (links), Ministerpräsident Torsten Albig und Anne Münchmeier von der Hospiz-Initiative schrieben als erste ihre Gedanken auf die schwarze Tafel.

Die Hospiz-Initiative lieferte den Passanten auf der Kiellinie Stoff zum Nachdenken. „Before I die . . .“ („Bevor ich sterbe . . .“) heißt das Projekt, bei dem die Initiatoren darum baten, die wichtigsten Wünsche zu formulieren. Auch Ministerpräsident Torsten Albig schaute vorbei.

shz.de von
13. Juli 2015, 18:36 Uhr

„Über die Golden-Gate-Bridge gehen“, „Spuren hinterlassen“, „mit Lukas Podolski ein Kölsch trinken“ – das fällt den Menschen ein, wenn sie gefragt werden, wie sie den Satz „Bevor ich sterbe, möchte ich . . .“ vervollständigen würden. Auf dem großen dreieckigen Turm an der Kiellinie zwischen Segelcamp und Seaside 61 standen am Wochenende diese ganz persönlichen Anmerkungen. Es war quasi die Vernissage zu einem interaktiven Kunstprojekt, dass die Hospiz-Initiative Kiel anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens initiiert hat.

„Wir greifen damit das weltweite Projekt ‚Before I die . . .‘ (Bevor ich sterbe . . .) der US-Künstlerin Candy Chang auf“, erklärte Anne Münchmeier, die Vorsitzende der Hospiz-Initiative. Ihr Ansatz: Da Ängste vor Sterben und Tod noch zu mächtig sind, sollen die Passanten animiert werden, sich Gedanken über Leben und Sterben zu machen und jeden Tag zu nutzen, damit sie am Ende nicht sagen: „Ach, hätte ich doch . .“. „Die Beschäftigung mit dem Tod fällt schwer. Deshalb sollte man den Blick auf das richten, was davor ist und die Zeit bewusst nutzen“, erklärte auch Ministerpräsident Torsten Albig als Schirmherr der Hospiz-Initiative. Er fasste die erbetene Ergänzung übrigens in ein einziges Wort: „ . . . leben!“.

Den gleichen Einfall hatte auch Berthold Jöhnk, einer der Passanten. „Es war eine ganz spontane Intuition. Das Wort „leben“ sagt doch eigentlich alles“, erklärt der 57-jährige Kieler, der das Projekt als „gute Idee“ bezeichnete.

Ingrid von Hänisch hat mit ihrer „Stiftung menschenwürdiges Sterben“ die Finanzierung von 3000 Euro übernommen. Sämtliche Ideen werden dokumentiert, auf den Tafeln findet sich stets Platz für neue Gedanken. Die Initiatoren hoffen auf rege Beteiligung der Spaziergänger. Bis zum 24. September soll die Aktion an der Kiellinie laufen, anschließend wird der Turm vor der Ansgar-Kirche zu sehen sein, wo auch der abschließende Festakt stattfinden wird.

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